Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen bekämpft Masern

Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen bekämpft Masern

Mittwoch, 26. April 2017 — Genf - Seit November 2016 hat die internationale Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) in fünf Provinzen der Demokratischen Republik Kongo (Süd-Kivu, Maniema, Tanganyika, Ituri und Équateur) über 675’000 Kinder geimpft und rund 14'000 Patienten behandelt.

MSF-Teams unterstützen derzeit das Gesundheitsministerium im Kampf gegen Masern. «Die Lage ist ernst und erfordert dringend Gegenmassnahmen. Alle Beteiligten, d. h. MSF, die kongolesischen Behörden und alle Partnerorganisationen, müssen so schnell wie möglich und entschlossen handeln, um die Ausbreitung dieser hoch ansteckenden Krankheit zu verhindern», erklärt Jeroen Beijnsberger, MSF-Einsatzleiter in Kinshasa.

Um eine wirksame Immunisierung zu gewährleisten (d. h. eine Durchimpfungsrate von 95% der Kinder im Alter von 6 Monaten bis 14 Jahren zu erreichen), müssen die Teams auch in die entlegensten Gebiete vordringen. In einem so grossen Land, dessen Strasseninfrastruktur darüber hinaus sin einem extrem schlechten Zustand ist, kann dies bedeuten, dass Mitarbeitende weite Strecken auf dem Motorrad zurücklegen, Flüsse mit Kanus oder dichte Wälder zu Fuss durchqueren müssen.

«Um das Dorf von Yalombe zu erreichen, musste ich mit drei Kollegen sechs Tage lang zu Fuss durch den Lomami-Nationalpark marschieren. Wir schliefen im Freien mitten im Wald und mussten unsere Nahrungsmittel rationieren. Wir legten mehr als 120 km in hohem Grass zurück und mussten uns gegen Ameisen wehren. Manchmal mussten wir über gefallene Bäume klettern, die uns den Weg versperrten – das alles, um das Dorf zu erreichen, in dem unsere Teams mehr als 1’600 Kinder impften», sagt Daniel Cibangu, ein Krankenpfleger bei MSF in der Provinz Maniema.

Logistische Herausforderung gibt es besonders in den gefährlicheren Regionen wie im Süd-Kivu und Tanganyika, in denen bewaffnete Gruppen vorzufinden sind.

Impfung: Die beste Waffe gegen Masern

Zusätzlich zu den Impfkampagnen leisten die MSF-Teams vor Ort medizinische Versorgung für Masernpatienten, vor allem für Kinder unter zehn Jahren. Sie führen ambulante Behandlungen durch mit besonderem Fokus auf mangelernährte  Kinder, die besonders anfällig sind. 

«Als die Masern-Epidemie in unserem Dorf ausbrach, starben viele Kinder, besonders wenn sich die Eltern traditioneller Medizin zuwendeten. Diejenigen, die sofort in die Gesundheitszentren gebracht wurden, konnten gerettet werden», erklärt Mwayuma Ramazani im Referenzspital von Kindu in der Provinz Maniema. Ihr, Kind wurde aufgrund von Masernkomplikationen eingeliefert. «Ich habe erfahren, dass MSF hier ist, um zu helfen. Als mein Kind Fieber bekam, beschloss ich, mich an das Gesundheitszentrum zu wenden. Von hier aus brachte uns das mobile MSF-Team ins Spital.»

«In Manono, in der Provinz Tanganyika, wurden im Januar fast 900 Kinder ins Spital überwiesen. Mangelernährung ist hier immer noch ein Problem: Mangelernährte Kinder sind schwach und besonders anfällig für Krankheiten, einschliesslich Masern», sagt Gaudia Storni, MSF-Landeskoordinatorin.

Seit November 2016 behandelten die MSF-Teams mehr als 14'000 Kinder in den Provinzen, in denen sie vertreten sind.

Offiziellen Angaben zufolge hat die DR Kongo in den letzten Jahren Erfolge im Kampf gegen die Krankheit zu verzeichnen: Zwischen 2011 und 2015 sank die Anzahl der Fälle um mehr als 95%[1]. Allerdings hat das Land auch unter schwerwiegenden Masern-Epidemien gelitten: Zwischen 2011 und 2013 erkrankten über 300’000 Kinder, von denen 5’000 starben[2]. In diesem Zeitraum wurden 13 Millionen Kinder geimpft, darunter 3 Millionen von MSF. Im Jahr 2017 flammte die Epidemie wieder auf und es wurde von mehr als 13'000 neuen Fällen berichtet. Damit die Masern bis 2020 vollständig beseitigt werden können, müssen die von der WHO, der Konferenz der afrikanischen Gesundheitsminister und verschiedenen Partner gemachten Zusagen für Impfkampagnen jedoch unbedingt eingehalten werden[3].

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Anmerkungen für Redakteure:

Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist eine internationale, unabhängige, humanitäre Hilfsorganisation, die medizinische Nothilfe für Menschen leistet, die von bewaffneten Konflikten, Epidemien, mangelhaften Gesundheitssystemen und Naturkatastrophen betroffen sind.

MSF ist seit 35 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo aktiv und unterstützt das Gesundheitsministerium in elf Provinzen. Sie stellt Gesundheitsversorgung für Opfer von Konflikten und Gewalt, Vertriebene und Menschen zur Verfügung, die unter Epidemien oder Pandemien wie HIV/AIDS leiden. Darüber hinaus sind die Notfall-Teams bereit, bei Epidemien, Naturkatastrophen oder Konflikten sofort zu reagieren.

Medizinische Informationen: Masern

Das Masernvirus ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, deren Krankheitsverlauf zu Komplikationen führen kann. Das Virus wird durch Tröpfchen (Husten und Niesen) übertragen und betrifft besonders Kinder. Zu den typischen Symptomen gehören Fieber und Hautausschlag. Häufige Komplikationen sind Mittelohr-, Lungen- und Hirnentzündung sowie Durchfall und können zu Fieberkrämpfen, Blindheit, Hirnschäden oder gar zum Tod führen. Ohne Behandlung verläuft die Krankheit in über 7 Prozent der Fälle tödlich.

Es gibt keine Therapie gegen das Masernvirus. Es ist lediglich möglich, die Symptome zu behandeln und krankheitsbedingten Symptomen vorzubeugen. Dazu stehen verhältnismässig einfache Mittel zur Verfügung, wie Paracetamol, Antibiotika, Augentropfen und Vitamin A zur Prävention von Augenkomplikationen. Die Zufuhr von therapeutischen Nahrungsmitteln kann erforderlich sein, da Mangelernährung einen zusätzlichen Risikofaktor darstellt.

Die Impfung ist das beste Mittel, um die Sterblichkeit aufgrund von Masern zu verringern.

 

[1] Statistics were taken in December 2016 from the WHO database of vaccination-preventable diseases

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4105555/

[3] Ministerial Conference in Africa on Immunization, February 2016, Addis Ababa, Ethiopia.