Folgenschwere Masern-Epidemie in Guinea

Folgenschwere Masern-Epidemie in Guinea

Knapp ein Jahr nachdem die Ebola-Epidemie offiziell als beendet erklärt wurde, steht das Gesundheitssystem in Guinea wieder unter Druck

Donnerstag, 13. April 2017 — Conakry/Genf – Die internationale humanitäre Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) lanciert heute in Conakry eine grossflächige Impfkampagne gegen Masern. Seit Jahresanfang wurden in Guinea 3'468 Masernfälle und 14 Todesfälle aufgrund der Krankheit gemeldet. Am stärksten betroffen sind das Hauptstadtdistrikt Conakry und die Region Nzérékoré.

Während der Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2015 wurden Routineimpfungen in Guinea stark verringert, weil die meisten Ressourcen in die Eindämmung der Ebola-Krise flossen und vor allem die Angst vor einer Ansteckung die Menschen davon abhielt, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen, und Impftätigkeiten ganz ausgesetzt wurden. Tausende Kleinkinder blieben deshalb ohne Schutz vor einer mit einfachen Mitteln vermeidbaren Krankheit. Die Behörden starteten vor einem Jahr eine landesweite Impfkampagne für Kinder, an der MSF nicht beteiligt war. Trotzdem wurde am 8. Februar 2017 der Ausbruch einer Masern-Epidemie erklärt.

«Wenn knapp ein Jahr nach einer massiven Impfkampagne eine neue Epidemie auftritt, ist das ein besorgendes Anzeichen dafür, dass das guineische Gesundheitssystem leider immer noch grosse Mängel aufweist», beklagt Ibrahim Diallo, Vertreter von MSF in Guinea. «Die Gesundheitsbehörden sind nicht in der Lage, Epidemien wirksam und zeitnah zu bekämpfen.»

Die verheerende Ebola-Epidemie forderte 11'000 Todesopfer und zwang das Gesundheitssystem der drei am stärksten betroffenen Länder, Guinea, Sierra Leone und Liberia, praktisch in die Knie. Vor diesem Hintergrund betonten die WHO und führende Public-Health-Experten, dass diese drei Länder dringend über ein funktionierendes Gesundheitssystem verfügen und entsprechende Ausrüstung und Unterstützung erhalten müssen, um auf ähnliche Gesundheitskrisen besser vorbereitet zu sein.

Laut der für die Ebola-Krise zuständigen UNO-Institution waren nur 18 Prozent der Mittel, die den von der Epidemie betroffenen Ländern zugesprochen waren worden, für die Phase nach Ende der Epidemie vorgesehen. Das Engagement internationaler Spender zur Stärkung des Gesundheitssystems legte den Fokus auf die Verbesserung der Überwachung von Krankheiten, um Epidemien wie Ebola frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Angesichts der grossflächigen Masernepidemie sind jedoch MSF (in Conakry) und Alima (in der Region Nzérokoré) bislang die einzigen NGOs, die das Gesundheitsministerium bei der Durchführung der Impfungen in den am stärksten betroffenen Regionen unterstützen. Die WHO und UNICEF sagten ihre Unterstützung für, andere betroffene Regionen im Land zu, worüber allerdings noch diskutiert wird.

«Ebola rüttelte die Welt wach, seither scheinen die meisten jedoch wieder in den Tiefschlaf verfallen zu sein. Der Ausbruch der Masernepidemie zeigt klar auf, dass die einfachen Leute in Guinea noch immer auf die konkrete Umsetzung der bei der Ebola- Krise zugesagten Unterstützung in Form von Geldmitteln, Ausrüstung und Schulungen warten», erklärt Dr. Mit Philips, Referent für Gesundheitspolitik bei MSF. «Auch vor Ebola mangelte es an Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung. Das Land steht heute vor denselben Problemen, mit denen es alleine fertig werden muss, obwohl die internationale Gemeinschaft versprach, sich für ein besseres und reaktiveres Gesundheitssystem einzusetzen.»

Um die Masern-Epidemie einzudämmen hat MSF zusammen mit dem Gesundheitsministerium in Conakry 123 Teams mit jeweils 13 Experten zusammengestellt, die verteilt auf 164 Impfstellen, in der 3 Millionen Stadt arbeiten. Jedes Kind im Alter von 6 Monaten bis 10 Jahren wird geimpft. Des Weiteren unterstützt MSF 30 Gesundheitseinrichtungen und das Referenzzentrum in Conakry, um Kinder mit leichten und schweren Masern-Symptomen zu behandeln.

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ANMERKUNG FÜR REDAKTEURE:

MSF und Ebola: Während der jüngsten Ebola-Epidemie reagierte MSF von Anfang an in den am stärksten betroffenen Ländern - Guinea, Liberia und Sierra Leone - durch die Einrichtung von Ebola-Behandlungszentren und die Bereitstellung von Leistungen wie Behandlung und Pflege, psychologische Unterstützung, Gesundheitsförderung, klinische Beobachtung und Umgebungsuntersuchung. MSF beschäftigte auf ihrem Höhepunkt fast 4.000 nationale Mitarbeiter und über 325 internationale Mitarbeiter, um die Epidemie in den drei Ländern zu bekämpfen. Insgesamt nahm MSF 10.376 Patienten in ihren Ebola-Management-Zentren auf. Davon stellten sich 5.226 als Ebola Fälle heraus.

MSF in Guinea: Seit 1984 ist MSF in Guinea aktiv und hat das Land zuvor bei Ausbrüchen von Cholera und Masern unterstützt. Derzeit stellt MSF HIV- und TB-Behandlungen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium zur Verfügung. Insgesamt können so circa 9.000 HIV Patienten behandelt werden. Die Organisation hat mittlerweile ihre Aktivitäten beendet die in Beziehung zu Ebola standen.

Masern: ist bis heute eine der ansteckendsten Viruserkrankungen. Eine infizierte Person kann bis zu 18 nicht immunisierte Personen anstecken. Weltweit sterben täglich schätzungsweise 367 Personen an Masern, die meisten davon Kinder. Die Hälfte davon kommt aus Afrika südlich der Sahara. Eine Durchimpfungsrate von 95% verhindert das Auftreten von Ausbrüchen und Epidemien innerhalb der betroffenen Bevölkerung.

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