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    "title": "Gazastreifen: Einschr\u00e4nkung der Lebensmittelversorgung hatte verheerende Folgen f\u00fcr Schwangere und Neugeborene",
    "modified_at": "2026-05-07 06:00:04",
    "published_at": "2026-05-07 06:00:00",
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    "body": "<p><strong>Die von der israelischen Regierung verursachte Mangelern&auml;hrungskrise im Gazastreifen hatte w&auml;hrend Phasen intensiver Kampfhandlungen und Belagerung schwere Auswirkungen auf schwangere und stillende Frauen, Neugeborene sowie S&auml;uglinge unter sechs Monaten. Das geht aus einer heute ver&ouml;ffentlichten Analyse medizinischer Daten von &Auml;rzte ohne Grenzen hervor.</strong></p><p><strong><br>\u200b</strong>&laquo;Die Mangelern&auml;hrungskrise ist vollst&auml;ndig menschengemacht&raquo;, sagt Merc&egrave; Rocaspana, medizinische Referentin f&uuml;r Notf&auml;lle bei &Auml;rzte ohne Grenzen. &laquo;Vor dem Krieg war Mangelern&auml;hrung im Gazastreifen nahezu nicht vorhanden. Seit 2,5 Jahren schr&auml;nkt die systematische Blockade humanit&auml;rer Hilfe und kommerzieller G&uuml;ter den Zugang zu Nahrungsmitteln und sauberem Wasser massiv ein.&raquo;</p><p>&Auml;rzte ohne Grenzen hat Daten von 201 M&uuml;ttern ausgewertet, deren Neugeborene zwischen Juni 2025 und Januar 2026 auf den Neugeborenen-Intensivstationen der Spit&auml;ler Al-Nasser und Al-Helou in Chan Junis und Gaza-Stadt behandelt wurden. Mehr als die H&auml;lfte der Frauen war w&auml;hrend der Schwangerschaft zeitweise von Mangelern&auml;hrung betroffen, bei einem Viertel bestand diese noch bei der Entbindung.</p><p>Die Folgen f&uuml;r die Kinder waren gravierend: 90 Prozent wurden zu fr&uuml;h geboren, 84 Prozent hatten ein niedriges Geburtsgewicht. Die Sterblichkeit war bei den Neugeborenen von mangelern&auml;hrten M&uuml;ttern doppelt so hoch wie bei Kindern von M&uuml;ttern ohne Mangelern&auml;hrung.</p><p><strong>Vertreibung und Unsicherheit verhindern Behandlung</strong><br>\u200bZwischen Oktober 2024 und Dezember 2025 nahmen Teams von &Auml;rzte ohne Grenzen in den Gesundheitseinrichtungen Al-Mawasi und Al-Attar in Chan Junis 513 S&auml;uglinge unter sechs Monaten in ambulante Ern&auml;hrungsprogramme auf. 91 Prozent waren in ihrer Entwicklung gef&auml;hrdet. Von den 200 Kindern, die die Programme wieder verliessen, waren nur 48 Prozent wieder gesund. Sieben Prozent verstarben, weitere sieben Prozent wurden in Programmen f&uuml;r &auml;ltere Kinder weiterbehandelt und 32 Prozent hatten die Behandlung vorzeitig abgebrochen &ndash; vor allem wegen der Unsicherheit und Vertreibung.</p><p><strong>Eine menschengemachte Mangelern&auml;hrungskrise<br>\u200b</strong>Vor dem Krieg existierten im Gazastreifen keine speziellen therapeutischen Ern&auml;hrungsstationen. Die ersten F&auml;lle kindlicher Mangelern&auml;hrung identifizierten Teams von &Auml;rzte ohne Grenzen im Januar 2024.</p><p>Nach dem Ende des Waffenstillstands im M&auml;rz 2025 wurde die Zahl der Lebensmittelverteilstellen bis Ende Mai von rund 400 auf nur noch vier unter der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) reduziert. Gleichzeitig blockierten die israelischen Beh&ouml;rden weite Teile der kommerziellen Lebensmittelzufuhr. In den folgenden Monaten suchten deutlich mehr Menschen medizinische Hilfe &ndash; nach Gewalt an GHF-Verteilstellen sowie infolge von Hunger.</p><p>&laquo;Die Verteilstellen waren militarisiert, t&ouml;dlich und kaum funktionsf&auml;hig&raquo;, sagt Jos&eacute; Mas, Leiter der Notfallabteilung von &Auml;rzte ohne Grenzen. Viele Frauen berichteten damals von extremem Stress und Angst angesichts der Risiken f&uuml;r m&auml;nnliche Familienmitglieder bei der Nahrungsbeschaffung, der anhaltenden Luftangriffe und wiederholter Vertreibung. Die Teams von &Auml;rzte ohne Grenzen beobachteten in dieser Zeit eine hohe Zahl an Fehlgeburten, wobei Stress als mit ausl&ouml;sender Faktor identifiziert wurde.</p><p><strong>Beispielloses Ausmass von Mangelern&auml;hrung<br>\u200b</strong>Zwischen dem 16. Oktober und dem 30. November 2025 waren Sch&auml;tzungen der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) zufolge rund drei Viertel der Bev&ouml;lkerung im Gazastreifen von akutem Hunger betroffen. Im August stellte die IPC eine Hungersnot fest &ndash; die erste jemals in der Region Naher Osten.</p><p>&laquo;Israels gezielte Beschr&auml;nkungen bei der Lebensmitteleinfuhr, die Militarisierung von Hilfskorridoren und Angriffe auf essenzielle Infrastruktur haben ein Umfeld geschaffen, in dem Hunger bewusst als Mittel der Kontrolle &uuml;ber die Bev&ouml;lkerung eingesetzt wird&raquo;, sagt Jos&eacute; Mas.</p><p>Trotz des sogenannten Waffenstillstands bleibt die Lage im Gazastreifen &auml;usserst fragil. &Auml;rzte ohne Grenzen fordert die israelische Regierung auf, unverz&uuml;glich ungehinderten und kontinuierlichen Zugang zu lebensrettenden Hilfsg&uuml;tern zu erm&ouml;glichen. Zugleich appelliert die Organisation an verb&uuml;ndete Staaten, ihren Einfluss zu nutzen, um alle Einschr&auml;nkungen des humanit&auml;ren Zugangs unverz&uuml;glich zu beenden.</p><p><em>* Hinweis: Mangelern&auml;hrung bei Schwangeren, Stillenden und S&auml;uglingen unter sechs Monaten wird in der Regel als Unterern&auml;hrung klassifiziert.</em></p><div class=\"release-content-contact\" id=\"contact-64d97529-4ed9-4df7-8ac9-a9712fff0b54\">\n    \n    <div class=\"release-content-contact__details\">\n        <strong class=\"release-content-contact__name\">Yvonne Eckert</strong>\n        <em class=\"release-content-contact__description\">Press Officer, M&eacute;decins Sans Fronti&egrave;res (MSF)</em>\n        <ul class=\"release-content-contact__details-list\"><li class=\"release-content-contact__details-list-item\"><a href=\"mailto:yvonne.eckert@geneva.msf.org\"  class=\"release-content-contact__details-list-item-link\" title=\"yvonne.eckert@geneva.msf.org\"><svg class=\"icon icon-paper-plane release-content-contact__details-list-item-icon\">\n                <use xlink:href=\"#icon-paper-plane\"></use>\n            </svg>yvonne.eckert@geneva.msf.org</a></li>\n<li class=\"release-content-contact__details-list-item\"><a href=\"tel:+41 044 385 94 31\"  class=\"release-content-contact__details-list-item-link\" title=\"+41 044 385 94 31\"><svg class=\"icon icon-phone release-content-contact__details-list-item-icon\">\n                <use xlink:href=\"#icon-phone\"></use>\n            </svg>+41 044 385 94 31</a></li></ul>\n    </div>\n</div><p>&nbsp;</p>",
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