Mossul: MSF behandelt Kriegsverletzte und unterstützt Spitäler

Mossul: MSF behandelt Kriegsverletzte und unterstützt Spitäler

Freitag, 5. Mai 2017 — Mossul - Genf - Als einige der wenigen Organisationen in Mossul, leistet Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) medizinische und chirurgische Nothilfe für Männer, Frauen und Kinder, die in den anhaltenden Kämpfen um Mossul verletzt werden. MSF hat seine Hilfe ausgeweitet und unterstützt auch Spitäler, die Versorgungslücken aufweisen.

Allgemeine Lage

Die meisten Spitäler in Mossul wurden beschädigt oder zerstört. Laut MSF-Einsatzleiter Marc van der Mullen sind in West-Mossul die medizinische Leistungen ernsthaft zum Erliegen gekommen, und aufgrund der anhaltenden Kämpfe gibt es viele Verletzte und Tote. In Ost-Mossul gehen medizinische Einrichtungen langsam wieder in Betrieb, aber es gibt noch Lücken bei der post-operativen Betreuung, der Mutter-Kind-Versorgung und in der Pflege stationärer Patienten. MSF hat daher seine Hilfe hier ausgeweitet.

Derzeit ist MSF in sechs medizinischen Einrichtungen in und um Mossul tätig, leistet lebensrettende Nothilfe und chirurgische Versorgung, einschliesslich Mutter-Kind-Versorgung und post-operative Betreuung nach grösseren chirurgischen Eingriffen. Die Teams behandeln auch mangelernährte Kinder und kümmern sich um die medizinische Versorgung sowie um psychologische Hilfe in den neu entstandenen Lagern für Vertriebene aus Mossul.

West-Mossul

Im vergangenen Monat hat MSF 175 Patienten in den zwei Gesundheitsposten in West-Mossul behandelt und sie in chirurgische Einrichtungen transferiert. Dabei wurden auch spezialisierte Gesundheitsposten bereitgestellt, die je nach medizinischen Bedürfnissen schnell auf- und abgebaut werden können.

Noch immer sitzen aber Hunderttausende Menschen in West-Mossul fest. Die Patienten, die es bis zu den MSF-Kliniken schaffen, berichten von Wasser- und Nahrungsmittelknappheit und von einem extrem eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung.

Ost-Mossul

In Ost-Mossul arbeitet MSF in einem ehemaligen Altersheim, das in eine Notaufnahme, einen Operationssaal, eine Geburtenstation und in stationäre Abteilungen umfunktioniert wurde. Seit das Spital Anfang März eröffnet wurde, haben die Teams 4‘376 Patienten behandelt, mehr als die Hälfte davon waren Notfälle.

Ausserdem hat MSF am 19. März in Ost-Mossul ein 15-Betten-Spital eröffnet, um eine Mindestversorgung für gebärende Frauen zu gewährleisten. Seit der Eröffnung haben die Teams 130 Entbindungen begleitet.

In einem weiteren Spital in Ost-Mossul hat MSF eine 24-Stunden-Notaufnahme errichtet, in der bisher 336 Patienten behandelt wurden.

Südlich von Mossul

Seit seiner Eröffnung wurden im MSF-Feldspital in Hammam al-Alil 1‘904 Patienten behandelt. Das Spital war einen Monat lang die nächstgelegene chirurgische Einrichtung für die Menschen aus West-Mossul. Die Mehrheit der Patienten waren Frauen und Kinder, 82 Prozent Kriegsverletzte.

Im Spital in Qayyarah behandelt MSF medizinische und chirurgische Notfälle. Seit Januar wurden über 5‘657 Patienten in der Notaufnahme behandelt. Das Team behandelt Patienten, die bei Luftangriffen, Explosionen oder durch Granatbeschuss verletzt wurden. Vor kurzem wurde eine Vier-Betten-Intensivstation für Verbrennungsopfer und andere kritische Fälle errichtet.

Als die irakische Armee nach West-Mossul vordrang, konnten viele Familien fliehen. Die MSF-Teams haben in der Folge Kinder mit akuter Mangelernährung behandelt – eine Konsequenz der Nahrungsmittelknappheit im belagerten West-Mossul. Zur Behandlung mangelernährter Kinder hat MSF im Spital von Qayyarah ein 12-Betten-Ernährungszentrum errichtet. In Hammam al-Alil betreibt MSF ein ambulantes Ernährungsprogramm und überweist schwer unterernährte Kinder in das Qayyarah-Spital.

Lager für Vertriebene

Nach Schätzungen der UNO wurden 500‘000 Menschen aus Mossul vertrieben. In 17 Vertriebenenlagern westlich von Erbil bieten die MSF-Teams eine medizinische Grundversorgung, die Behandlung chronischer Krankheiten und eine psychologische sowie psychiatrische Therapie an. Das psychologische Programm konzentriert sich auf schwere Fälle und beinhaltet psychologische Beratung, Gruppentherapie und Therapien für Kinder. Seit Anfang des Jahres haben die Teams 14‘098 medizinische Behandlungen und 8‘238 psychologische Beratungen durchgeführt.