Seenotrettung im Mittelmeer: Médecins Sans Frontières/ Ärzte ohne Grenzen (MSF) weist Kritik von Frontex-Chef Leggeri scharf zurück

Dienstag, 28. Februar 2017 — Dazu sagt Aurélie Ponthieu, Expertin für Flucht und Migration bei Ärzte ohne Grenzen:

„Es ist verstörend, dass Frontex den Hilfsorganisationen mit Rettungsschiffen im Mittelmeer über die Medien vorwirft, Schlepper zu unterstützen, während die Organisation uns gleichzeitig nicht treffen will. Wir hatten Frontex um ein Treffen gebeten, um über diese Kritik zu sprechen, haben aber bis heute keine Antwort.

Die von Frontex-Direktor Fabrice Leggeri geäußerte Kritik ist schockierend, wenn man sich bewusst macht, was sie unterstellt. Will er uns vorschlagen, wir sollten uns weiter aus der Zone auf dem Mittelmeer zurückziehen, wo das Risiko zu ertrinken am größten ist, nur um Menschenschmuggel schwieriger zu machen? Sollen wir die Menschen einfach ertrinken lassen?

Als humanitäre Organisation unterliegen wir nicht dem Auftrag von Frontex. Wir sind weder die Grenzpolizei noch eine Organisation zur Schlepperbekämpfung. Wir sind Ärzte oder Krankenpfleger, und wir sind nur auf hoher See, um Menschenleben zu retten. So nah wie möglich an den libyschen Hoheitsgewässern zu sein ist derzeit die einzige Chance, die Lebensgefahr auf dem Mittelmeer zu reduzieren. Je weniger Zeit die Menschen auf überfüllten Booten verbringen, desto geringer ist die Gefahr, dass sie sterben.

In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ hat der Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, Kritik an der Seenotrettung durch Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer geäußert.

Anstatt weiter schädigende und unbegründete Vorwürfe gegen Hilfsorganisationen zu erheben, sollte Frontex lieber die eigene Arbeit auf den Prüfstand stellen und die eigene Rolle in dem Horror überdenken, den wir jeden Tag auf dem Mittelmeer erleben. Schlepper werden sich immer an die Situation anpassen, die man ihnen vorgibt. Solange Menschen keinen sicheren Fluchtweg aus Libyen haben, werden sie weiter ertrinken.“