Zentralafrikanische Republik: Willkürliche Hinrichtungen und Terror gegen Zivilisten

Zentralafrikanische Republik: Willkürliche Hinrichtungen und Terror gegen Zivilisten

Donnerstag, 13. April 2017 — Bangui/Genf - Teams von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben im Osten der Zentralafrikanischen Republik in den vergangenen Wochen getötete und verstümmelte Zivilisten gesehen. Der bewaffnete Konflikt hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft, Tausende fliehen um ihr Leben und erhalten kaum Hilfe

"Unsere Teams haben verstümmelte Leichen gefunden, die gut sichtbar zurückgelassen wurden, offenbar um die Bevölkerung zu terrorisieren", sagt René Colgo, stellvertretender Landeskoordinator von MSF. "Die Zivilisten sind traumatisiert. Viele sind aus ihren Dörfern in die Umgebung geflohen. Dort versuchen sie irgendwie zu überleben."

Auch rund um die Stadt Bria weiter nördlich haben Teams die Opfer von extremer Gewalt behandelt. „Am Wochenende vom 24. bis 26. März sind 24 schwer verwundete Menschen in unser Kinderspital von Bria eingeliefert worden. Darunter war ein drei Jahre altes Mädchen, dem in die Hüfte geschossen worden war“, sagt Katie Treble, Ärztin von MSF. „Es war chaotisch. Ich musste einen verletzten Mann liegenlassen, weil gerade ein weiterer Schwerverwundeter ankam, dem die Innereien heraushingen. Wir hatten nur einfache technische Geräte für die Behandlung, aber unserer Chirurg hat es geschafft, ihn zu retten.“

In den vergangenen Monaten haben sich die Konfliktparteien der Jahre 2014 und 2015 in mehrere rivalisierende Splittergruppen aufgespalten. Das hat besonders in den Provinzen Ouaka, Haute Kotto, Basse Kotto und Mbomou im Zentrum und im Osten des Landes zu schweren Kämpfen um die Kontrolle über Gebiete und Bodenschätze geführt – mit katastrophalen Folgen für die Zivilbevölkerung. Der Konflikt erreicht somit Gebiete, die in den vergangenen zwei Jahren als relativ stabil galten.

„Die Zentralafrikanische Republik war schon eine der akutesten humanitären Krisen der Welt“, sagt Emmanuel Lampaert, Leiter von MSF in der Zentralafrikanischen Republik. „Jetzt wird die Lage noch schlimmer. Die Gewalt im Land eskaliert und ist so schlimm wie noch nie seit dem Höhepunkt des Konflikts im Jahr 2014.“

In den vergangenen Monaten griffen bewaffnete Gruppen vermehrt einzelne Gemeinden gezielt an, was zu Vergeltungsschlägen führt. „Die Art des Konfliktes ändert sich”, sagt Caroline Ducharme, Landeskoordinatorin in der Zentralafrikanischen Republik. „Ohnehin schon traumatisierte und dem Geschehen hilflos ausgelieferte Zivilisten sind im Kreuzfeuer gefangen. Sie werden aus ihren Häusern und von ihren Feldern vertrieben und so jeglicher Existenzgrundlage beraubt. Die Konfliktparteien müssen mindestens die Angriffe auf Zivilisten stoppen und zulassen, dass ein Minimum an humanitärer Hilfe diejenigen erreicht, die sie so dringend benötigen.“

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Hintergrundinformationen

Laut dem Büro der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten (UN-OCHA) sind rund 2,2 Millionen Menschen in der zentralafrikanischen Republik von humanitärer Hilfe abhängig – fast die Hälfte der Bevölkerung des Landes. Allein zwischen September 2016 und Februar 2017 wurden rund 100.000 Menschen neu aus ihren Häusern vertrieben. Die Zahl der Binnenflüchtlinge ist somit auf mehr als 400.000 gestiegen, mehr als 460.000 Flüchtlinge wurden in den Nachbarländern registriert. Bislang haben Regierungen nur 5,4 Prozent der Hilfsgelder zugesagt, die die UN für die humanitäre Hilfe in der zentralafrikanischen Republik veranschlagen.

MSF ist seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik aktiv. 2016 führten die Teams rund 947.000 medizinische Konsultationen aus, behandelten rund 580.000 Menschen gegen Malaria, verabreichten rund 490.000 Impfungen und halfen bei 21.000 Geburten. Für die Arbeit in der Zentralafrikanischen Republik verwendet MSF ausschliesslich private Spenden und keine staatlichen Gelder.

In Bria (Provinz Haute Kotto) betreibt MSF ein Kinderspital mit 51 Betten. Rund 3.600 Patienten wurden dort 2016 behandelt, 90 Prozent von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Im November und Dezember 2016 behandelten die Teams in Bria zudem 138 Opfer von Gewalt, weitere 151 Gewaltopfer zwischen Januar und März 2017.

In Bambari (Provinz Ouaka) stellte MSF für 45.000 von Gewalt betroffene Menschen Gesundheitsversorgung zur Verfügung. Als der Bedarf an Hilfe zunahm, weiteten die Teams die Aktivitäten ab Oktober 2016 aus.

In Bakouma und Nzako (Provinz Mbomou) führten die Teams seit Ende März mehr als 400 Konsultationen aus und überwiesen 10 Verwundete in das Spital in Bangassou (118 Betten), das MSF unterstützt.

MSF entsandte ein Notfall-Team nach Mbrés (Provinz Nana-Grebizi), um den Menschen Hilfe zu leisten, die dorthin vor den Kämpfen in Bambari und Bria geflohen waren. Die Teams behandelten Kriegsverletzte, unterstützten das Spital von Mbrés und führten Notimpfkampagnen durch.

In Maloum (Provinz Ouaka) verteilte MSF 15.515 Hilfspakete an Menschen, die vor den Kämpfen um Bria und Bambari geflohen sind und impfte mehr als 5.000 Kinder und Schwangere.

Insgesamt ist MSF in 14 Projektstandorten in der Zentralafrikanischen Republik vertreten.

 

Credits: MSF/Colin Delfosse

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