Ärzte ohne Grenzen behandelt mehr mangelernährte Kinder
Ärzte ohne Grenzen behandelt in seinen Projekten immer mehr Fälle von Mangelernährung. In Somalia hat sich die Zahl der behandelten Kinder mit akuter Mangelernährung von Januar bis August 2026 mehr als verdoppelt. Auch in Jemen und Afghanistan hat Ärzte ohne Grenzen mehr mangelernährte Kinder versorgt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Entwicklungen zeigen sich in Ländern, die bereits von Konflikten, Vertreibung und eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsversorgung betroffen sind. In Somalia, Afghanistan und Jemen mussten Gesundheitseinrichtungen bereits aufgrund von Hilfskürzungen schliessen.
Dazu Frauke Ossig, verantwortlich für die Programme von Ärzte ohne Grenzen in Somalia, Tschad und Sudan:
„Mehr als doppelt so viele mangelernährte Kinder in unseren Projekten in Somalia wie im Vorjahr sollten ein Warnsignal sein. Die Krise entsteht nicht erst, wenn ein Kind mit schwerer Mangelernährung in einer Klinik ankommt. Sie beginnt viel früher: wenn Menschen durch Dürre, Flut oder Konflikt vertrieben werden und ihre Lebensgrundlage verlieren, wenn Gesundheitsversorgung eingeschränkt wird oder der Weg dorthin zu lang oder unbezahlbar ist, wenn Hilfsangebote wegfallen.
Die Fallzahlen in unseren Projekten steigen, während die Unterstützung vielerorts schrumpft. Auch Deutschland setzt bei dringend benötigter internationaler Hilfe den Rotstift an. Wir sehen die Folgen vor Ort in den Spitäler, in denen wir arbeiten. Kinder kommen häufiger mangelernährt in Gesundheitszentren an und sind schwerer krank. Keine Organisation kann diese Lücken allein schliessen. Wer erst reagiert, wenn das Leid von Kindern sichtbar wird, reagiert zu spät.”
Frauke Ossig steht für Interviews auf Anfrage gerne zur Verfügung.
Jeremias Schnyder