Ausstellung «Die Stimme meiner Verletzungen»: Misshandlung und Gewalt auf der Flucht

Dienstag, 17. Oktober 2017 — Mit der interaktiven Ausstellung «Die Stimme meiner Verletzungen» will Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) Menschen auf der Flucht ein Gesicht geben. Die Ausstellung wurde heute in der Kornschütte in Luzern eröffnet. Die Besucherinnen und Besucher erfahren dabei, wie es Christiana und Ali auf ihrer Flucht aus ihrer Heimat nach Europa ergangen ist. Eindrücklich zeigen Fotos, welche Spuren rücksichtslose Schmuggler und fehlende Gesundheitsversorgung bei ihnen hinterlassen haben.

Luzern, 17. Oktober 2017 – Im öffentlichen Diskurs werden die Misshandlung und Gewalt, die Vertriebene erleben, oft vernachlässigt oder durch Angstmacherei verdrängt. In der Ausstellung erfahren Besucherinnen und Besucher mehr über die beschwerliche Reise von Christiana aus Nigeria und Ali aus Afghanistan. Verschiedene Fotos der beiden, die der Schweizer Fotograf Reto Albertalli in Rom und Genf aufgenommen hat, lassen erahnen, welch traumatische Erlebnisse sie auf ihrer Flucht durchgemacht haben. Neben den körperlichen Verletzungen machen die Bilder auch das seelische Leid sichtbar und verleihen den Geflohenen ein Gesicht.

Flucht vor Gewalt

Christiana reiste vor vier Jahren mit ihrem Mann von Nigeria nach Libyen, um dort Arbeit zu finden. Während ihr Mann als Maler auf dem Bau arbeitete, betrieb sie einen Friseur-Salon. Zwei Jahre wohnten sie in einer Wohnung in der Stadt Bengasi und bauten sich wieder eine Lebensgrundlage auf. Doch mit dem Wiederaufflammen der Kämpfe 2015 wurde die Lage zunehmend bedrohlicher. Als Christiana im achten Monat schwanger war, versuchte sie zusammen mit ihrem Mann mit einem Schlauchboot nach Europa zu gelangen und wurde schliesslich aus dem Mittelmeer gerettet. Auch der Afghane Ali erlebte Traumatisches. Auf der Flucht vor den Taliban reiste er zusammen mit seinem Vater in den Iran und von dort weiter in die Türkei. Als sie die Grenze passierten, wurde auf Ali und andere Migranten geschossen. Seinen Vater verlor er dabei aus den Augen. Bis heute weiss er nicht, was mit ihm geschehen ist.

Empathie und Solidarität

MSF will mit der Ausstellung zum Thema Migration und Gesundheit nicht nur die Verletzungen von Flüchtlingen thematisieren. Ziel ist es auch, in der Schweizer Bevölkerung Empathie und Solidarität für Schutzsuchende zu schaffen. Denn die Schweiz steht heute vor einem Dilemma: Einerseits werden internationale Normen und inländische Verfahren respektiert, um Migranten und Asylsuchende aufzunehmen. Andererseits werden Flüchtende auch als Eindringlinge in die lokale Kultur wahrgenommen.

Die medizinischen Teams von MSF sind weltweit in Krisengebieten im Einsatz. Sie behandeln somalische Flüchtlinge in Kenia, burundische Flüchtlinge in Tansania, syrische Flüchtlinge in Jordanien oder im Libanon sowie Flüchtlinge aus Subsahara-Afrika, die in libyschen Internierungszentren untergebracht sind. Die MSF-Teams behandeln dort nicht nur akute Erkrankungen wie Blutvergiftungen und Lungenentzündungen und haben es mit Verletzungen infolge von Missbrauch und Gewalt zu tun. Sie sind immer auch wieder Zeugen der extremen Bedingungen, die Flüchtende und intern Vertriebene täglich erleben.

 

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung «Die Stimme meiner Verletzungen» ist vom 17. bis 21. Oktober in der Kornschütte am Kornmarkt 3 in Luzern zu sehen. Sie ist von Dienstag bis Freitag von 11 Uhr bis 19 Uhr und am Samstag von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Am Donnerstag, 19. Oktober findet um 18 Uhr an gleicher Stelle eine Podiumsdiskussion mit Jeanette Pedersen (MSF), Nicole Windlin (Suchdienst SRK) und Eliane Amstad (Asylnetz Luzern) statt.

Weitere Daten der Ausstellung in diesem Herbst:

31. Oktober – 4. November im Alten Spital in Solothurn

14. – 18. November in der FHNW Olten

www.msf.ch/ausstellung

Weitere Informationen zu MSF

Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist eine unabhängige medizinische Hilfsorganisation. MSF hilft Menschen in Not, Opfern von Naturkatastrophen sowie von bewaffneten Konflikten, ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung.

92% der Spendengelder kommen direkt unseren Projekten zugute, 8% werden für die Verwaltung, Mittelbeschaffung und Kommunikation ausgegeben.

1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

www.msf.ch