Bangladesch: Geflohene Rohingya brauchen dringend humanitäre Hilfe

Mittwoch, 6. September 2017 — Mehr als 146’000 Menschen sind seit dem 25. August auf der Flucht vor Gewalt aus Myanmar in das benachbarte Bangladesch gekommen. Die hierher geflohenen Rohingya brauchen dringend sauberes Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe. Bereits vor dem aktuellen Flüchtlingszustrom lebten die Geflüchteten in Bangladesch in überfüllten Unterkünften unter unsicheren und unhygienischen Bedingungen. Zahlreiche weitere Flüchtlinge sitzen im Niemandsland an der Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch fest. Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) stockt zurzeit ihre Aktivitäten für die Rohingya in Bangladesch auf und zeigt sich besorgt über die Lage derer, die sich noch in Myanmar befinden.

«Wir haben es hier mit einer Notlage zu tun, wie wir sie seit Jahren nicht mehr gesehen haben», sagt Pavlo Kolovos, MSF-Landeskoordinator in Bangladesch. «Die hier ankommenden Flüchtlinge sind vollkommen mittellos, schwer traumatisiert und hatten keinerlei medizinische Versorgung. Viele von ihnen müssen dringend medizinisch behandelt werden. Sie haben Gewaltverletzungen oder stark infizierte Wunden, und bei schwangeren Frauen sind Komplikationen keine Seltenheit. Wenn die humanitäre Hilfe hier nicht aufgestockt wird, kann es zu Krankheitsausbrüchen kommen.»

«Mein Sohn wurde angeschossen, als ich mit meiner Familie auf der Flucht war», erzählt ein 49 Jahre alter Vater. «Ich habe ihn in Bangladesch ins Krankenhaus gebracht. Den Rest meiner Familie musste ich in Myanmar im Wald zurücklassen. Seit Tagen habe ich nichts von ihnen gehört. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich bin verzweifelt.»

MSF hat zusätzliches Pflege- und Ärztepersonal sowie Geburtshelfer nach Bangladesch entsandt und in einer der beiden MSF-Kliniken in der Region Kutupalong eine zweite Bettenstation eingerichtet, um den steigenden Patientenzahlen zu begegnen. Unsere Mitarbeitenden helfen auch bei Überweisungen an andere Spitäler und stellen rund um die Uhr Krankentransporte zur Verfügung. Zwei neue mobile Teams erheben die medizinischen Bedürfnisse der Geflüchteten und behandeln Verletzte.

«Hundertausende Menschen, die noch in Myanmar sind, haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung», sagt Kolovos. «Das ist extrem beunruhigend – und das umso mehr, als vor Ort zurzeit keine Helfer aktiv werden können oder dürfen. Da die Durchimpfungsrate im Rakhaing-Staat im Norden von Myanmar sehr niedrig ist, sollte eine Impfkampagne gegen Masern und weitere Krankheiten bei den Ankommenden oberste Priorität haben. Ausserdem muss mehr gegen die hohen Mangelernährungsraten getan werden – sowohl bei den Menschen, die bereits in Bangladesch sind, als auch bei denen, die sich noch auf myanmarischem Staatsgebiet in Rakhaing befinden.»

Es gab zwar erste Nahrungsmittelverteilungen, doch viele Flüchtlinge haben bislang nur eine Ration trockener Kekse erhalten. Auch der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ist alarmierend. «Als ich ankam, habe ich sieben Tütchen mit Keksen für meine Kinder bekommen. Das ist alles, was sie gegessen haben», sagt ein Vater von vier Kindern, der vor drei Tagen angekommen ist. «Wir sind in einer Schule untergekommen, doch das Schulamt sagt, dass wir morgen gehen müssen. Ich habe keine Ahnung, wohin.»