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DR Kongo: Ärzte ohne Grenzen fordert dringend mehr Hilfe für Opfer sexueller Gewalt – Report zeigt dramatische Lücken in der Versorgung

In einem aktuellen Report warnt Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) vor der mangelnden Unterstützung für Überlebende sexueller Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Angesichts des Ausmasses der Gewalt, mehrheitlich gegen Frauen und Mädchen, und ihrer Auswirkungen fordert MSF die kongolesischen Behörden und ihre Partner auf, mehr für die Versorgung und Unterstützung der Überlebenden zu unternehmen. Die Hilfsorganisation berichtet von fast 11 000 Betroffenen, die im Jahr 2020 behandelt wurden. Das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

Die von MSF im Jahr 2020 gesammelten Daten zeigen ein besorgniserregendes Bild des physischen und psychischen Zustands von Patientinnen und Patienten, die wegen sexueller Gewalt behandelt wurden: Infektionen, ungewollte Schwangerschaften, körperliche Verletzungen infolge der Gewalt, schwere psychische Traumata; auch bei Minderjährigen, die ein Fünftel der von MSF im Jahr 2020 behandelten Patientinnen und Patienten ausmachten.

„Das Ausmass sexualisierter Gewalt wird von vielen nationalen und internationalen Stellen angeprangert”, sagt Juliette Seguin, MSF-Landeskoordinatorin in der DR Kongo. „Aber es folgt keine ausreichende Hilfe, weder für die Prävention noch für die Behandlung oder den Schutz der Überlebenden. Unsere Teams vor Ort sind täglich Zeugen davon, dass die Bedürfnisse bei weitem nicht erfüllt werden."

Laut des Berichts sind 98 Prozent der Opfer Frauen und Mädchen. 63 Prozent wurden von bewaffneten Tätern angegriffen, 67 Prozent in ihrem täglichen Umfeld. Nur 62 Prozent der Patientinnen und Patienten erreichten die Versorgungszentren binnen 72 Stunden, wenn sich etwa eine HIV-Infektion mit Hilfe von Medikamenten verhindern lässt. Nach Schätzungen der UN hat nur eines von vier Opfern überhaupt Zugang zu medizinischer Versorgung, nur 5 Prozent zu psychosozialer Unterstützung, 15 Prozent zu rechtlichem Beistand und nur 0,5 Prozent zu sozioökonomischen Hilfen.

Zur körperlichen und seelischen Verletzung kommt der soziale Ausschluss. Viele Opfer werden von ihren Familien verstossen. Sehr viele Frauen berichten, dass ihre Partner ihnen die Schuld geben, sie aus dem Haus werfen und oft auch von ihren Kindern trennen. Andere lassen Frau und Kinder mittellos zurück. Die Vergewaltigungen haben so oft dramatische wirtschaftliche Folgen. Viele Frauen trauen sich nicht mehr, ihre Felder zu bestellen oder zum Markt zu gehen.

MSF fordert die kongolesischen Behörden, die Zivilgesellschaft und internationalen Partner auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln und Überlebende sexueller Gewalt umfassend zu versorgen sowie sie medizinisch, psychologisch, sozioökonomisch und rechtlich zu unterstützen.

Den Report „Sexual Violence in the Democratic Republic of Congo: The Critical Need for a Comprehensive Response to Address the Needs of Survivors“ finden Sie untenstehend zum Download.

Fotos zur Verwendung finden Sie hier: https://media.msf.org/Share/nsihxd2n4q047sm2vdy5k275e8560ye6

Kontakt
Lukas Nef Communications Officer, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Djann Jutzeler Communications Officer, Médecins Sans Frontières
Lukas Nef Communications Officer, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Djann Jutzeler Communications Officer, Médecins Sans Frontières
Über Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)

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1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

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