DR Kongo: Spital in Boga geplündert und niedergebrannt – mit schwerwiegenden Folgen für die lokale Bevölkerung

DR Kongo: Spital in Boga geplündert und niedergebrannt – mit schwerwiegenden Folgen für die lokale Bevölkerung

9. Juni - Demokratische Republik Kongo, Provinz Ituri / Diesen Montag 7. Juni wurde das General Referral Hospital (GRH) der Stadt Boga, das von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) unterstützt wird, im Rahmen des anhaltenden Konflikts in der Stadt vorsätzlich angegriffen. Die Gesamtzahl der Todesopfer bei den Zusammenstössen wird bisher auf zirka zwölf Personen geschätzt, darunter zehn Zivilist*innen. Das Spital wurde beim Angriff vollständig zerstört: mehrere Gebäude wurden niedergebrannt, darunter die Intensivstation und die Apotheke. Ausserdem wurden medizinische Vorräte geplündert. Neun Verletzte des Angriffs wurden in das Spital von Gety gebracht, das ebenfalls von MSF unterstützt wird. Im GRH in Boga befinden sich noch zwei Verletzte.

Aufgrund dieses gewalttätigen Angriffs ist das GRH in Boga nicht mehr betriebsfähig und kann seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen, besonders gefährdete Menschen zu versorgen. Dabei sind über 80'000 Menschen auf das Spital angewiesen, da es sich um die letzte verbliebene Gesundheitseinrichtung im Bezirk handelt. Hunderte von Kindern, die an Mangelernährung leiden und am Ernährungsprogramm von MSF teilnehmen, sowie Tausende von Menschen verlieren durch den Angriff den Zugang zu medizinischer Versorgung. Die MSF-Teams sind erschüttert über das Ausmass der Schäden an dieser Gesundheitseinrichtung. MSF hatte den Bau dieses Spitals zwischen 2017 und 2020 koordiniert, da im Bezirk ein dringender Bedarf an Gesundheitsdiensten existierte.

"Innerhalb weniger Stunden hat sich alles in Rauch aufgelöst, obwohl wir unermüdlich beteuert haben, wie lebenswichtig dieses Spital für die Menschen in dieser Region ist", sagt Frédéric Lai Manantsoa, MSF-Einsatzleiter in der DR Kongo. In den vergangenen Monaten schlug MSF angesichts der wachsenden Unsicherheit wiederholt Alarm. Die Unsicherheit führte bereits zu einer Zunahme von Kindern mit Mangelernährung und Fällen von sexueller Gewalt, welche wiederum die Frauen davon abhalten auf den Feldern zu arbeiten. «Spitäler in Konfliktgebieten müssen geschützte und neutrale Einrichtungen bleiben. Alle an den Konflikten in Ituri Beteiligten müssen Patient*innen sowie die humanitäre Arbeit des medizinischen Personals respektieren", sagt Manantsoa.

MSF ist zutiefst entsetzt über diesen Angriff, der gegen das humanitäre Völkerrecht verstösst und fatale langfristige Folgen haben wird. Solange die verschiedenen Gruppen, die in den Konflikt involviert sind, die lebenswichtige Notwendigkeit des Schutzes von Gesundheitsversorgung in Ituri nicht akzeptieren, werden humanitäre und medizinische Mitarbeitende immer wieder mit dem endlosen Kreislauf konfrontiert sein, Einrichtungen wieder aufzubauen, die dann wieder zerstört werden.

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Melina Stavrinos Team Media/Events, Médecins Sans Frontières
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1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

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