Gaza: Engpass lebenswichtiger Güter durch Blockade 

Die seit einem Monat andauernde Blockade des Gazastreifens hat zu einem Engpass wichtiger Medikamente und anderer Güter geführt. Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über die Folgen für die Zivilbevölkerung. 

Der Entzug von lebenswichtigen Gütern wie Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Medikamenten bei gleichzeitig stattfindenden Angriffen auf den Gazastreifen droht zu einer hohen Zahl gesundheitlicher Komplikationen und Todesfällen zu führen, warnt die Organisation. 

Ärzte ohne Grenzen fordert die israelischen Behörden auf, die Blockade des Gazastreifens zu beenden, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und humanitäre Hilfe in grossem Umfang zu ermöglichen. 

«Die israelischen Behörden haben die Menschen in Gaza mit ihrer tödlichen Blockade zu unerträglichem Leid verurteilt. Sie muss unverzüglich beendet werden», sagt Myriam Laaroussi, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza. 

Seit mehr als einem Monat sind keine Lastwagen mit Hilfslieferungen oder Handelsgütern mehr in den Gazastreifen gelangt. Dies ist der längste Blockade-Zeitraum seit Beginn des Krieges. Die israelischen Behörden hatten am 2. März eine vollständige Blockade des Gazastreifens verhängt. Am 9. März wurde der Strom gekappt, der für die Versorgung der Wasserentsalzungsanlagen benötigt wird. Diese Massnahmen verunmöglichen eine grundlegende Versorgung, was einer kollektiven Bestrafung der Bevölkerung gleichkommt. 

Die Blockade hat die Teams von Ärzte ohne Grenzen gezwungen, Medikamente wie Schmerzmittel zu rationieren, weniger wirksame Behandlungen durchzuführen oder Patient:innen abzuweisen. Den Teams gehen auch chirurgische Hilfsgüter wie Anästhetika, Antibiotika für Kinder sowie Medikamente zur Bekämpfung chronischer Krankheiten wie Epilepsie, Bluthochdruck und Diabetes aus. Infolge der Rationierung müssen Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen in einigen Fällen Wundversorgungen bei Verletzten durchführen, ohne ihnen Schmerzmittel zu verabreichen. ​ 

Aufgrund nicht ausreichender Vorräte kann Ärzte ohne Grenzen dem Nasser-Spital zudem keine Blutkonserven mehr spenden. Derweil hält der Zustrom von Patient:innen an, die durch die Angriffe verwundet wurden. 

Der Mangel an Seife und sauberem Wasser führt ausserdem zu einem Anstieg der Zahl von Patient:innen mit Hautkrankheiten. Diese können nicht ausreichend behandelt werden, weil es auch dort an Medikamenten fehlt. Damit die Ausbreitung von Hautkrankheiten wie Krätze verhindert werden kann, muss jeweils eine ganze Familie behandelt werden, ohne genügend Medikamente und sauberes Wasser ist dies aber nicht möglich. 

Bei Menschen mit nicht übertragbaren Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes können die Folgen der fehlenden Behandlung zu schweren Komplikationen wie dauerhaften Behinderungen und in einigen Fällen sogar zum Tod führen. ​ 

«Ich habe keine Blutdruckmedikamente mehr», erklärt eine Patientin in Chan Junis. «Was kann ich tun?»

Eine schwangere Mutter in einer Einrichtung in Chan Junis berichtet: «Im Moment sind meine Blutwerte niedrig, ebenso wie mein Gewicht. Es gibt nicht genug Lebensmittel, die mir helfen, zuzunehmen oder meine Blutwerte zu verbessern. Ausserdem sind die steigenden Preise ein grosses Problem: Die Menschen können es sich einfach nicht leisten, das Nötigste zu kaufen, weil alles so teuer ist.»

 

Yvonne Eckert

Medienverantwortliche, Médecins Sans Frontières (MSF)

 

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