Haiti: Ärzte ohne Grenzen besorgt über eingeschränkte Gesundheitsversorgung

In Haiti wird das Benzin immer knapper. Wie sehr sich der aktuelle Treibstoffmangel auf den Betrieb von Spitälern und somit auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auswirkt, hat Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in den vergangenen Tagen erleben müssen. Die medizinischen Teams sahen sich gezwungen, im Trauma-Spital in Tabarre in der Hauptstadt Port-au-Prince die Zahl der Patient:innen zu begrenzen. Lediglich Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen konnten behandelt werden.

«Ohne Benzin können wir unsere Einrichtung nicht angemessen betreiben», sagt Kanouté Dialla, Leiter des Spitals von Tabarre. «Wir tun unser Bestes, um unsere medizinischen Aktivitäten aufrechtzuerhalten und passen sie täglich an. Doch die Situation ist untragbar. Das Spital ist das einzige Zentrum im Land, das sich auf die Behandlung von schweren Verbrennungen spezialisiert hat.»

In den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen kommen aufgrund der Unterbrechungen im Stromnetz Generatoren zum Einsatz. So kann die medizinische Hilfe trotz Benzinknappheit weiterhin angeboten werden – auch im Zentrum, wo schwere Verbrennungen behandelt werden.

Aufgrund des Treibstoffmangels ist es für viele Mitarbeitende schwer bis unmöglich, ihren Arbeitsplatz überhaupt zu erreichen. Das wirkt sich auf die Versorgungsqualität im Traumazentrum aus. «Heute konnte nur ein Zehntel unseres Personals in die Einrichtung kommen», sagt Dialla. «Wir organisieren schon Transporte für unsere Mitarbeitenden, sodass wir die für den Betrieb des Spitals erforderlichen Mindestrotationen gewährleisten können. Im Moment ist die Arbeitsbelastung für das anwesende medizinische Personal enorm und die Situation kaum zu ertragen.»

Das Notfallzentrum von Ärzte ohne Grenzen im Stadtteil Turgeau von Port-au-Prince überweist Patient:innen an das Spital Tabarre, das ebenfalls unter der Krise zu leiden hat. Es wird zunehmend schwieriger, Patient:innen eine Spitalbehandlung zu ermöglichen. «Mehr als die Hälfte der Menschen, die im Spital Tabarre behandelt werden, kommen aus Turgeau zu uns», sagt Désiré Kimanuka, die das Notfallzentrum leitet. «Wird das Angebot reduziert, erhalten Kranke und Verletzte möglicherweise nicht die Behandlung, die sie benötigen.»

Die Sicherheitslage im Land ist bereits komplex, und die aktuelle Benzinknappheit erschwert die Situation zusätzlich. Ärzte ohne Grenzen passt ihre Projekte kontinuierlich an die sich stetig wandelnde Situation an, um auf den hohen medizinischen Bedarf zu reagieren. Oberstes Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung für Menschen in Haiti sicherzustellen.

Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ist seit mehr als 30 Jahren in Haiti aktiv. Die Arbeit konzentriert sich auf lebensrettende medizinische Nothilfe für Menschen, die von Gewalt, Verbrennungen, Verkehrsunfällen und sexueller Gewalt betroffen sind, sowie auf Geburtshilfe. In jüngster Zeit versorgt Ärzte ohne Grenzen auch Vertriebene in mehreren Gebieten in und um Port-au-Prince. Nach dem schweren Erdbeben, das den Süden der Insel am 14. August erschütterte, unterstützt die Organisation verschiedene Gesundheitseinrichtungen, insbesondere in Jérémie und Les Cayes.  

Lukas Nef Medienverantwortlicher, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)

 

Über Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)

MSF ist eine unabhängige medizinische Hilfsorganisation. MSF hilft Menschen in Not, Opfern von Naturkatastrophen sowie von bewaffneten Konflikten - ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung oder ihres Geschlechts.


1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Kanzleistrasse 126
8004 Zürich