Irak: In Mossul gibt es viel zu wenig medizinische Versorgung

Montag, 9. Juli 2018 — Ein Jahr nach Ende der Kämpfe in Mossul kehren täglich tausende Menschen in die Stadt zurück. Der Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen geht jedoch nur sehr langsam voran. Derzeit stehen für die geschätzten 1,8 Millionen Einwohner der Stadt immer noch weniger als 1‘000 Spitalbetten zur Verfügung. Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) behandelt zudem immer mehr Patienten, die in zerstörten Gebäuden verletzt werden.

„Gesundheitsversorgung zu bekommen ist jeden Tag eine Herausforderung für Tausende Kinder und Erwachsene in Mossul“, sagt Heman Nagarathnam, MSF-Landeskoordinator im Irak. „Die Einwohnerzahl der Stadt wächst von Tag zu Tag. Allein im Mai 2018 kamen knapp 46‘000 Menschen nach Mossul zurück. Aber das öffentliche Gesundheitssystem erholt sich nicht so schnell, und es gibt eine riesige Kluft zwischen den verfügbaren Angeboten und den tatsächlichen Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung.“ Bei den Kämpfen vor einem Jahr wurden neun der dreizehn öffentlichen Spitäler beschädigt.

Besonders dringend benötigt werden derzeit mehr Kapazitäten in Notaufnahmen, auf chirurgischen Stationen, der Onkologie und zur Behandlung von Brandwunden ebenso wie medizinische Ausrüstung und eine zuverlässige Versorgung mit bezahlbaren Medikamenten. Gebraucht werden weiter psychologische Angebote für Menschen, die traumatische Gewalterfahrungen und den Verlust von Angehörigen verarbeiten müssen, sowie chirurgische Nachsorge, Schmerztherapie und Physiotherapie für Patienten mit Kriegsverletzungen.

Die hygienischen Bedingungen in Mossul sind schlecht, es mangelt an fliessendem Wasser und Strom, viele Gebäude sind beschädigt und Minen und Sprengkörper sind noch immer in Strassen und Gebäuden der Stadt verteilt. All dies stellt ein Risiko für die Gesundheit der zurückgekehrten Menschen dar und erhöht den Bedarf an medizinischer Versorgung.

In einem von MSF betriebenen Spital im Westen Mossuls beobachtete das Einsatzteam in den vergangenen 12 Monaten eine Verschiebung der gesundheitlichen Probleme der Patienten. Während die Mitarbeitenden zunächst vor allem Kriegsverletzte behandelten, kamen dann mehr Patienten mit Verletzungen verursacht durch Minen und andere Sprengkörper. Zuletzt stieg die Zahl der Verletzungen, die auf die schwierigen Lebensbedingungen in der zerstörten Stadt zurückzuführen sind. So wurden im Mai etwa 95 Prozent der Patienten, die in die Notaufnahme kamen, von herunterfallenden Trümmern, beim Einsturz von Gebäuden oder bei Stürzen verletzt.

„Die Kämpfe in Mossul sind seit einem Jahr offiziell beendet“, sagt Nagarathnam. „Nationale und internationale Akteure müssen viel mehr dafür tun, dass die Menschen in Mossul die Gesundheitsversorgung bekommen, die sie brauchen. Die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen müssen wieder aufgebaut werden, die Menschen müssen bezahlbare Medikamente bekommen und Gesundheitseinrichtungen mit dem nötigen Material ausgestattet werden.“