Libanon: Humanitäre Hilfe muss dringend ausgeweitet werden
Nach der Ankündigung eines vorübergehenden Waffenstillstands im Libanon ist die Erleichterung unter der Bevölkerung nur von kurzer Dauer. Unsicherheit und Angst bleiben allgegenwärtig. Ärzte ohne Grenzen warnt, dass der humanitäre und medizinische Bedarf von Hunderttausenden Menschen weiterhin enorm ist. Die Hilfe für Betroffene muss dringend ausgeweitet werden und es muss freien Zugang für Hilfslieferungen geben.
Im Süden Beiruts bewegen sich aktuell viele Menschen zwischen Notunterkünften und ihren beschädigten Häusern hin und her. Sie versuchen zu retten, was noch möglich ist, und bereiten sich zugleich darauf vor, erneut fliehen zu müssen, sollte sich die Lage wieder verschlechtern.
Viele Menschen haben im Süden Beiruts, in der Bekaa-Ebene und im Südlibanon in den vergangenen Wochen ihre Häuser und ihre Existenzgrundlagen verloren sowie oftmals auch ihre Angehörigen. Mehr als eine Million Menschen wurden durch die anhaltenden Angriffe Israels gewaltsam vertrieben. Teams von Ärzte ohne Grenzen passen ihre Hilfsmassnahmen im gesamten Libanon mit Blick auf die neuen Entwicklungen an.
Sie arbeiten unter anderem im Rafik-Hariri-Universitätsspital in Beirut und im Jabal-Amel-Spital in Sour, um das überlastete Gesundheitssystem zu unterstützen. Gemeinsam mit lokalen Mitarbeitenden behandelten die Teams in den vergangenen Wochen Menschen mit schweren Verletzungen, die mitunter Amputationen und andere schwierige Eingriffe erforderten.
Die Angriffe in dicht besiedelten Gebieten trafen Zivilist:innen wie auch Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal. Laut lokalen Gesundheitsbehörden wurden zwischen dem 2. März und dem 10. April mehr als 2000 Menschen getötet und über 7000 verletzt.
Neben den physischen Folgen wirkt sich die Situation auch auf die psychische Gesundheit der Menschen aus. Viele leiden unter Angstzuständen, Depressionen und weisen Symptome von schweren posttraumatischen Belastungsstörungen auf.
Yvonne Eckert
Lukas Nef