Libanon: Menschen durch israelische Angriffe von medizinischer Hilfe abgeschnitten
Durch die anhaltenden Angriffe der israelischen Armee wurden dem Gesundheitsministerium zufolge zwischen dem 2. und 23. März 1039 Menschen getötet, zwölf Prozent von ihnen Kinder. Mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele sind von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) fordert, Zivilist:innen zu schützen und ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung zu wahren.
Im Süden des Libanon zielen die Angriffe aus der Luft und am Boden auf zivile Infrastruktur wie Brücken. Damit isolieren sie die Bewohner:innen südlich des Litani-Flusses vom Rest des Landes. Trotz der Evakuierungsbefehle befinden sich dort noch immer viele Menschen, da sie teils aus ökonomischen Gründen, teils aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen ihre Dörfer und Städte nicht verlassen können. Aktuell ist ihr Zugang zu medizinischer Hilfe dadurch stark eingeschränkt. Umgekehrt ist es für medizinische und humanitäre Helfer:innen schwer, sie zu erreichen.
«Wir sorgen uns um die Sicherheit der Menschen, die diese Gebiete nicht verlassen haben,» sagt Tejshri Shah, Generaldirektorin von Ärzte ohne Grenzen. «Wir fordern, dass Zivilist:innen und medizinische Infrastruktur jederzeit geschützt werden und dass Menschen die Möglichkeit haben, medizinische Versorgung und weitere elementare Leistungen in Anspruch zu nehmen.»
Evakuierungsbefehle gelten inzwischen für 14 Prozent des Landes, jede fünfte Person im Libanon musste in der Folge fliehen. Und auch ausserhalb der Gebiete, die als «Evakuierungszonen» eingestuft sind – insbesondere in Beirut und im südlichen Teil des Landes – leben Menschen unter der ständigen Bedrohung durch Luft- und Drohnenangriffe.
Ärzte ohne Grenzen unterstützt Spitäler
Der Weltgesundheitsorganisation zufolge gab bis zum 23. März mehr als 63 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, 40 Gesundheitsmitarbeitende wurden getötet, 91 verletzt. Spitäler mussten evakuiert werden und mehr als 54 Zentren für Basisgesundheitsversorgung im Libanon schliessen.
«Spitalmitarbeitende in Nabatieh, die sich entschieden haben, weiterzuarbeiten, sind gezwungen, im Spital zu bleiben und Fahrten ausserhalb zu meiden», sagt Luna Hammad, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen bei einem Besuch im Nabatieh Regierungsspital, eines der Spitäler, das aktuell die meisten Verletzten aufnimmt. «Sie machen das schon seit Wochen so, haben kaum Pausen und halten diesen permanenten Druck und diese Angst aus.»
Ärzte ohne Grenzen unterstützt Spitäler im Süden des Landes, die funktionsfähig sind und Notfallversorgung sowie Überweisungen bieten. Diese Unterstützung umfasst die Bereitstellung von medizinischem Material, von Treibstoff für die Stromversorgung und weiteren Hilfsgütern wie Decken und Hygiene-Paketen. Teams von Ärzte ohne Grenzen bieten ausserdem Gesundheitsversorgung in Teilen der Regierungsbezirke Süd-Libanon, Nord-Libanon, Libanonberg sowie in Beirut und Akkar unter anderem für chronisch Erkrankte an.
Lukas Nef