Libanon: Vertreibungen verschlechtern humanitäre Lage
Die Bevölkerung im Südlibanon leidet unter den weitreichenden Vertreibungen und andauernden Angriffen durch die israelische Armee. Viele Menschen sind von der medizinischen Versorgung abgeschnitten.
Jeremy Ristord, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Libanon, sagt dazu Folgendes:
«Trotz des sogenannten Waffenstillstands sehen wir eine alarmierende Situation im Südlibanon. Die militärische Eskalation seitens Israels weitet sich nach Norden aus, während die Evakuierungsanordnungen inzwischen den grössten Teil des Südens des Landes betreffen.
Angesichts der sich rapide verschlechternden Sicherheitslage haben unsere Teams in den Spitälern in Sour und Nabatieh in den vergangenen Tagen wiederholt eine grosse Zahl verletzter Personen aufgenommen. In den Gebieten, in denen wir arbeiten, sind Hunderte von Angriffen dokumentiert; laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in nur zehn Tagen neun Gesundheitsfachkräfte getötet, 48 verletzt und 7 Ambulanzen getroffen.
In den von uns unterstützten Spitälern werden weiterhin Zivilist:innen mit schweren Verletzungen eingeliefert – darunter Menschen mit Schädelbrüchen, Hirnverletzungen und Splittern aus Drohnenexplosionen. In einigen Fällen wurden ganze Familien verletzt oder getötet.
Die sich verschlechternde Lage birgt die Gefahr weiterer Einschränkungen beim Zugang der Menschen zur medizinischen Versorgung. Wenn medizinische Teams, darunter auch Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, gezwungen sind, ihre Arbeit einzustellen, bleiben die Menschen in diesen Regionen ohne lebensrettende Versorgung – und das in einer Zeit, in der der Bedarf besonders gross ist.
Ärzte ohne Grenzen fordert die israelische Regierung erneut auf, den Schutz der Zivilbevölkerung sowie von medizinischem Personal und Rettungspersonal und Gesundheitseinrichtungen zu gewährleisten.»
Jeremias Schnyder
Amanda Bergman