Libanon: Zahlreiche Tote und Verletzte nach grossflächigen Angriffen der israelischen Armee
Am frühen Nachmittag gab es seitens der israelischen Armee grossflächige Angriffe im Libanon, bei denen nach Angaben des Gesundheitsministeriums Hunderte Personen getötet und verletzt worden sind. Der Koordinator des Notfalleinsatzes von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) im Libanon, Christopher Stokes, sagt dazu:
«Um kurz nach 14 Uhr haben die israelischen Streitkräfte zahlreiche Städte und Gemeinden im gesamten Land bombardiert. Dieser grossangelegte Angriff der israelischen Armee hat unzählige Orte, darunter auch Städte wie Beirut, Sidon und Baalbek getroffen. Es gibt Berichte über hohe Zahlen an Patient:innen in mehreren Spitälern. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden Hunderte Menschen getötet und verletzt.
Diese Angriffe in dicht besiedelten Gebieten sind absolut inakzeptabel.
Unsere Teams reagieren auf die hohe Anzahl an Verletzten, darunter auch Kinder, im staatlichen Spital Rafik Hariri in Beirut. Patient:innen weisen Verletzungen durch Schrapnell auf, sowie starke Blutungen. Ein Patient hat beide Beine verloren. Die Situation ist chaotisch, während immer noch weitere Verletzte eingeliefert werden. Teams von Ärzte ohne Grenzen mobilisieren mehr Unterstützung, um weiteren Spitälern in betroffenen Gebieten zu helfen.
Bereits am Morgen haben Teams von Ärzte ohne Grenzen im Jabal-Amel-Spital in Sour, auch bekannt als Tyros, im Süden des Libanon, auf eine Vielzahl von Verletzten reagiert – darunter ein Kind, das sechs seiner Familienmitglieder verloren hat. Eine Familie, die eingeliefert wurde, war erst wenige Stunden zuvor nach Hause zurückgekehrt, bevor sie verletzt wurde. Sie hatte gedacht, es sei eine Feuerpause in Kraft.
Gleichzeitig sind medizinische Helfer:innen im Libanon am Rande der Erschöpfung - und teilweise selbst unter den Verletzten: Erst vergangene Nacht wurden im Hiram-Spital in Sour, das von Ärzte ohne Grenzen mit Spenden unterstützt wird, mehrere Gesundheitsmitarbeitende durch Angriffe der israelischen Streitkräfte getroffen.
Die unverminderten Angriffe auf die Zivilbevölkerung müssen aufhören. Gesundheitseinrichtungen, ihre Mitarbeitenden und Patient:innen sind zu schützen. Die wiederholten Zwangsvertreibungen der Menschen – ein Kriegsverbrechen – müssen enden.»
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Unter folgendem Link finden Sie zudem eine Audioaufnahme von Dr. Thienminh Dinh, Notärztin von Ärzte ohne Grenzen im Jabal-Amel-Spital in Sour, die die Lage vor Ort auf Englisch schildert.
Dr Thienminh Dinh - MSF emergency doctor - Lebanon.ogg
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Lukas Nef