Mittelmeer: 99 Menschen aus Seenot gerettet – viele vermutlich ertrunken

Am Samstag hat das Team des Schiffes «Aquarius» im Mittelmeer 99 Menschen von einem sinkenden Schlauchboot gerettet. Zwei Frauen konnten nur noch tot geborgen werden. Etliche Frauen, Kinder und Männer werden noch vermisst und sind vermutlich ertrunken. «Es war dramatisch», beschreibt Pflegefachfrau Aoife Ni Mhurchu, die an Bord des von SOS Méditerranée und Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) betriebenen Schiffes ist. «Viele brauchten dringend ärztliche Versorgung. Es kamen immer neue Patienten, die nicht bei Bewusstsein waren und nicht atmeten.»

Dutzende Menschen schwammen bereits im Meer als das Rettungsschiff «Aquarius» sie am Samstagmorgen gegen 9.30 Uhr erreichte. Das Schlauchboot war zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Luft. Das Rettungsteam liess sofort Rettungsflösse zu Wasser und begann, Menschen aus dem Meer zu bergen.

Das medizinische Team von MSF konnte sechs kleine Kinder und eine Frau wiederbeleben. Zwei andere Frauen konnten trotz wiederholter Versuche leider nicht reanimiert werden. «Es ist herzzerreissend», so Ni Mhurchu. «Diese beiden Frauen waren Mütter. Wir versuchen, uns nun um ihre sehr kleinen Kinder zu kümmern, die an Bord der Aquarius sind.»

Alle medizinischen Notfälle wurden gemeinsam mit ihren Begleitpersonen mit einem Helikopter der italienischen Marine nach Sfax in Tunesien gebracht. Insgesamt waren das 16 Menschen, darunter die sechs wiederbelebten Kinder und mehrere Frauen mit Wasser in den Lungen. Das medizinische Team von MSF hat ausserdem mehrere Menschen mit Verätzungen durch Benzin sowie Patienten mit Unterkühlung behandelt. Viele der Überlebenden waren orientierungslos und verwirrt, weil sie in das Boot eingedrungenes Benzin eingeatmet hatten.

 

Kontakt
Anaïs Ludolph Media Coordinator at Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Lukas Nef Communications Officer at Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
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Über Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)

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1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

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