Sudan: Ärzte ohne Grenzen fordert besseren Schutz der Zivilbevölkerung
Vor der Sudan-Konferenz in Berlin befinden sich die Menschen im Sudan in einer zunehmend verzweifelten Lage. Immer wieder gibt es Angriffe auf die Zivilbevölkerung, zudem steht das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch und die Versorgungslage ist desaströs. Mehr als 33 Millionen Menschen im Sudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, knapp 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Besonders schlimm ist die Situation in der Region Darfur.
«Diese Konferenz darf nicht nur mit Absichtserklärungen oder blossen Zusagen für Hilfsgelder enden, auch wenn eine Aufstockung der internationalen Mittel dringend erforderlich ist. Die teilnehmenden Akteure müssen sich dafür einsetzen, dass die Konfliktparteien ihre Angriffe auf Zivilist:innen, medizinische Einrichtungen und deren Personal einstellen», sagt Micaela Serafini, Präsidentin von Ärtzte ohne Grenzen Schweiz.
2025 behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Sudan mehr als 7700 Patient:innen, die körperliche Gewalt erlebt haben, und betreuten mehr als 4200-mal Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, die systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird und unter der vor allem Frauen leiden.
Masern, Hepatitis, Cholera: Immer wieder vermeidbare Krankheitsausbrüche
Darüber hinaus wurden 2025 mehr als 15'000 Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt – ein Zustand, der weiter zunimmt. Er erhöht das Risiko für Betroffene, an Krankheiten zu sterben, die unter normalen Umständen gut behandelbar wären.
Durch die mangelhafte internationale Unterstützung wird die ohnehin katastrophale Lage weiter verschlimmert. Immer wieder kommt es etwa zu Ausbrüchen vermeidbarer Krankheiten – von Masern in Darfur über Hepatitis E im Bundesstaat al-Dschasira bis hin zu Cholera in Khartum oder im Bundesstaat Weisser Nil.
Krieg wird durch Drohneneinsatz noch brutaler
In den vergangenen Monaten hat Ärzte ohne Grenzen eine beunruhigende Veränderung in der Kriegsführung beobachtet. Von beiden Kriegsparteien werden verstärkt Drohnen für Angriffe eingesetzt. Diese sind nicht nur auf militärische Ziele gerichtet. Oft geraten auch Zivilist:innen unter Beschuss. Seit Februar 2026 hat Ärzte ohne Grenzen rund 400 Menschen wegen Verletzungen durch Drohnenangriffe behandelt, nachdem zivile Gebiete im Osten des Tschad sowie in verschiedenen Regionen Darfurs getroffen worden waren.
Seit April 2023 wurden bei 213 Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im Sudan mehr als 2000 Menschen getötet und 720 verletzt – im Jahr 2025 entfielen laut Weltgesundheitsorganisation 82 Prozent aller weltweiten Todesfälle durch Angriffe auf das Gesundheitswesen auf den Sudan. Allein Ärzte ohne Grenzen hat im gleichen Zeitraum 100 gewaltsame Vorfälle dokumentiert, die sich gegen ihre Mitarbeitenden oder von ihr unterstützte Einrichtungen richteten.
«Das medizinische Personal und die Freiwilligen im Land zeigen ausserordentliches Engagement und bemühen sich, dort Hilfe zu leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird – aller Angriffe und der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft zum Trotz. Dennoch ist die Gesamtsituation katastrophal», so Serafini. «Doch es ist noch nicht zu spät, Millionen von Menschen weiteres Leid zu ersparen.»
Yvonne Eckert