Sudan: Mittelkürzungen bringen Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses
8. September 2026. Ärzte ohne Grenzen warnt vor den gravierenden Folgen der Kürzung von Hilfsgeldern für die Menschen im Sudan. Das bereits instabile Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch. Die Organisation appelliert deshalb anlässlich der aktuell tagenden Generalversammlung der Vereinten Nationen an die Staats- und Regierungschefs weltweit, die Finanzierung der essenziellen Gesundheitsversorgung im Sudan sicherstellen.
Aufgrund der Kürzungen müssen im ganzen Land Hilfseinrichtungen schliessen. Menschen werden so von lebensrettender Hilfe abgeschnitten. Die wenigen übrigen Spitäler stehen vor dem Zusammenbruch.
In den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Einrichtungen in Salingei und Rokero in Zentral-Darfur wurden zwischen Januar und April dieses Jahres 22,5 Prozent mehr Patient:innen aufgenommen als im Vorjahreszeitraum. Inzwischen hat sich die Lage noch weiter verschlechtert. Aufgrund fehlender Hilfsgelder erhielten allein im Mai 45 allgemeine Gesundheitszentren in Zentral-Darfur keine Unterstützung mehr.
«Wir können nicht jede Schliessung auffangen»
«Wenn eine medizinische Einrichtung schliesst, heisst das nicht, dass es keine Patient:innen mehr gibt», sagt Sebastián Traficante, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Darfur. «Sie müssen stattdessen oft längere und teurere Wege auf sich nehmen, um eine andere Einrichtung zu erreichen – die möglicherweise schon überfüllt ist. In der Zeit wird sich ihr Gesundheitszustand weiter verschlechtern. Ärzte ohne Grenzen kann einzelne Dienste und Leistungen ausbauen, aber wir können nicht jede Schliessung auffangen.»
«Der Krieg treibt den Bedarf im Sudan in die Höhe, und gleichzeitig schränken Mittelkürzungen die mögliche Hilfe ein,» sagt Muhammad Ibrahim, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Sudan. «Unsere Arbeit wird privat finanziert. Doch wenn die Mittel für andere Gesundheitsdienste wegfallen, schliessen Kliniken, Patient:innen haben weniger Anlaufstellen, und der Druck verlagert sich auf die verbleibenden Einrichtungen, darunter auch unsere.»
2025 hatte die US-Regierung das Ende der USAID-Hilfen angekündigt, im Juni des vergangenen Jahres liefen für viele Organisationen im Sudan die Zuschüsse aus. Auch viele europäische Regierungen kürzten ihre Hilfsgelder. Derzeit ist die US-Regierung zwar weiterhin der grösste Geldgeber für den Sudan, unter anderem durch Beiträge für die Arbeit von OCHA und anderen Organisationen, aber die Finanzierung vieler Hilfsorganisationen im Land ist weggebrochen.
Mehr Malaria, mehr Mangelernährung
In Tawila (Nord-Darfur) beispielsweise ist die Versorgungslage von bis zu 600'000 Vertriebenen kritisch – obwohl rund 50 Nichtregierungsorganisationen dort tätig sind. Ärzte ohne Grenzen betreibt das einzige Spital mit 200 Betten in der Region und ist die einzige Organisation, die in der Lage ist, gross angelegte Massnahmen zur Bekämpfung von Epidemien zu ergreifen. Die Zahl der Malaria- und Mangelernährungsfälle steigt bereits jetzt, trotz geringer Niederschläge und noch vor dem Höhepunkt der Regenzeit. Grosse Versorgungsengpässe gibt es auch in den Camps Um Rakuba und Tunaydba, in denen Ärzte ohne Grenzen aktiv ist.
Dabei ist die humanitäre Lage ohnehin dramatisch. UN-Berichten zufolge wird erwartet, dass etwa 825'000 Kinder unter fünf Jahren von schwerer akuter Mangelernährung betroffen sein werden. Zu Jahresbeginn lebten 19,5 Millionen Menschen in akuter Ernährungsunsicherheit, das heisst sie waren dringend auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Dennoch ist der 2,87 Milliarden US-Dollar schwere Hilfsplan der Vereinten Nationen zu gerade einmal 41 Prozent finanziert, schätzungsweise 37 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im Sudan sind ausser Betrieb.
[Fotos und Video zum Herunterladen: https://media.msf.org/Share/0177b3a8u6p3a5q48mm4wjnvov3cl1n3]
Yvonne Eckert