Südsudan: Zehntausende Vertriebene in Nyatim brauchen dringend humanitäre Hilfe

In dem kleinen Ort Nyatim im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Nach der jüngsten Gewalteskalation in Lankien und Pieri haben geschätzte 30'000 Menschen in Nyatim Zuflucht gesucht und stecken dort nun fest. Sie leben unter Bäumen in einem Sumpfgebiet und haben kaum Nahrung, sauberes Wasser oder Medizin. Die Menschen sind Entführungen durch bewaffnete Gruppen schutzlos ausgeliefert. Gleichzeitig verweigern die Behörden humanitären Helfer:innen den Zugang. ​

Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen in der Region berichten von mindestens 58 Toten in den vergangenen vier Wochen. Die meisten Vertriebenen in Nyatim sind Frauen, Kinder, Kranke, ältere Menschen und weitere, für die es nahezu unmöglich ist, Nyatim zu verlassen und in sicherere Gebiete zu fliehen.

Ärzte ohne Grenzen fordert die zuständigen Behörden auf, unverzüglich humanitäre Hilfe nach Nyatim zu lassen. Teams der Organisation bemühen sich seit einem Monat erfolglos um Zugang. Zudem appelliert Ärzte ohne Grenzen an die internationale Gemeinschaft, die Vereinten Nationen, wichtige Ländervertretungen und andere Organisationen mit Einfluss sich dafür einzusetzen, dass humanitäre Hilfe nach Nyatim gelassen wird. ​

Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, die aus Lankien und Pieri vertrieben wurden und Nyatim erreicht haben, schildern die Lage:

«Ein Kollege, der sich derzeit in Nyatim aufhält, berichtete uns, dass Menschen dort wahrscheinlich vor Hunger sterben, da sie nur gekochte Baumblätter essen», sagt Gul Badshah, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen.

«Wir hören ausserdem, dass in mindestens zehn Menschen von bewaffneten Banden entführt wurden. Unter ihnen war eine stillende Mutter, die erschossen wurde», so Badshah.

Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen ist es gelungen, mit Frauen zu sprechen, die mit ihren Kindern aus Nyatim nach Chuil geflohen sind. In Chuil leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe. Zwischen beiden Orten liegen etwa 50 Kilometer, die die Menschen über mehrere Tage und unter grosser Gefahr zu Fuss zurücklegen müssen.

«Wir Erwachsenen versuchen, stark zu sein. Aber vor unseren Augen sterben die Kinder. Und manchmal müssen Kinder zusehen, wie ihre Mütter und Väter sterben», sagt die in Chuil angekommene Nyaluat.

«Die einen sterben an Krankheiten, andere vor Hunger. Wieder andere werden getötet, während sie im Busch nach wilden Früchten, Blättern oder Wasserlilien suchen», so Nyapini, die ebenfalls nach Chuil vertrieben wurde.

«Die Menschen in Nyatim sitzen in der Falle», so Einsatzleiter Badshah. «Die allermeisten haben weder die Kraft noch die Mittel, um hier wegzukommen.»

 

Auf der Flucht vor dem Konflikt im Bundesstaat Jonglei haben mindestens 25'000 Menschen in Chuil Schutz gesucht, einem kleinen Ort am Ufer des Flusses Sobat. Teams von Ärzte ohne Grenzen bieten dort Nothilfe und Wundversorgung an, verteilen Hilfsgüter, behandeln Mangelernährung und versorgen Frauen vor und nach der Entbindung.

Yvonne Eckert

Press Officer, Médecins Sans Frontières (MSF)

 

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