Syrien: Hunderte Verletzte durch Minen und Sprengkörper

Der Konflikt in Syrien hat gefährliche Spuren hinterlassen. Ein neuer Bericht von Ärzte ohne Grenzen dokumentiert, dass im vergangenen Jahr in der Region Deir ez-Zor hunderte Menschen durch Landminen und zurückgelassene Sprengkörper verletzt wurden. Fast die Hälfte dieser Patient:innen in der von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Notfallversorgung im Nationalspital von Deir ez-Zor waren Kinder. ​

«In dem Jahr, in dem wir hier tätig sind, haben wir über 215 Patient:innen mit Explosionsverletzungen behandelt, darunter Kinder und Landwirt:innen», sagte Rebecca Kerr, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Deir ez-Zor. ​

Der Bericht «Explosive Remnants of War – Lasting Harm in Deir ez-Zor, Syria» stützt sich auf medizinische Daten von Ärzte ohne Grenzen und der syrischen Gesundheitsbehörde für den Zeitraum von April 2025 bis April 2026 sowie auf Beobachtungen und Interviews mit Patient:innen, Pflegekräften und medizinischem Fachpersonal. Neben hunderten Verletzten, starben in dem Zeitraum 24 Menschen an ihren Verletzungen, bei 58 mussten Amputationen vorgenommen werden. ​

Der Bericht beleuchtet die verheerenden Folgen von Minen und Sprengkörpern für die Menschen in der Region. Er zeigt auch, warum viele Verletzte nicht rechtzeitig spezialisierte medizinische Versorgung erhalten, und hebt die Bedeutung von Minenräumung hervor.

«Leider sehen wir auch heute noch, dass diese Sprengkörper Zivilist:innen treffen. Ohne eine verbesserte Versorgung von Verletzungen, Rehabilitationsangebote und die Räumung kontaminierter Flächen werden diese Verletzungen weiter zunehmen,» so Kerr. ​

Deir ez-Zor gehört zu den Gebieten in Syrien, die am stärksten mit explosiven Kampfmitteln verseucht sind. Zivilist:innen werden häufig bei alltäglichen Tätigkeiten verletzt: bei der Landwirtschaft, der Viehzucht, dem Sammeln von Trüffeln oder beim Betreten beschädigter Häuser. Kinder sind besonders gefährdet, wenn sie im Freien spielen oder verlassene Gebäude erkunden. Um eine Notfallversorgung zu erreichen, legen viele Verletzte lange und gefährliche Wege aus abgelegenen Gebieten zurück – oft ohne Krankenwagen. ​

Das medizinische Personal im Nationalspital von Deir ez-Zor verweist auf die wirtschaftlichen Zwänge in der Region, die zu risikoreichem Verhalten führen. «Manche Menschen begeben sich wissentlich in verminte Gebiete, um ihre Herden weiden zu lassen oder Trüffel zu sammeln», sagte Dr. Waseem Awak, Assistenzarzt in der Notaufnahme und der orthopädischen Abteilung. «In manchen Fällen behandeln wir mehrere Mitglieder derselben Familie.»

Trotz der hohen Zahl von Überlebenden ist der Zugang zu Rehabilitation, Prothesen und Orthesen, psychologischer Betreuung und sozioökonomischer Unterstützung nach wie vor stark eingeschränkt, sodass viele Patient:innen sich nicht erholen oder ihre Unabhängigkeit nicht wiedererlangen können.

Ärzte ohne Grenzen beobachtet, dass die Verminung auch humanitäre Einsätze und den Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen beeinträchtigt. So sind einige Gesundheitseinrichtungen, die Wasserinfrastruktur und Wohngebiete nach wie vor vermint.

Die Organisation fordert eine dringende Beschleunigung der Kampfmittelbeseitigung in ganz Deir ez-Zor, um weiteren Schaden für die Zivilbevölkerung, lebensverändernde Verletzungen und vermeidbare Todesfälle, zu verhindern. Auch braucht es Investitionen in die Notfallversorgung, insbesondere in abgelegenen und unterversorgten Gegenden, sowie umfassende Hilfsangebote für Betroffene, einschliesslich Rehabilitation und psychologischer Betreuung.

Über den untenstehenden Link kann der vollständige Bericht auf Englisch als PDF abgerufen werden. Das Embargo gilt bis zum 25. Juni, 12:00 Uhr.

Bericht «Explosive Remnants of War – Lasting Harm in Deir ez-Zor, Syria».pdf

PDF 2.2 MB

Jeremias Schnyder

Team Public Engagement

 

 

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