Syrien: Wassermangel führt zur Ausbreitung von Krankheiten

Im Norden Syriens führt der Mangel an sauberem Wasser zu einem deutlichen Anstieg von Krankheiten wie Durchfall, Hepatitis und Krätze. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) warnt, dass die Zahl entsprechender Krankheitsfälle im Sommer zwischenzeitlich um fast 50 Prozent gestiegen ist.

Ursache ist unter anderem die mangelnde Finanzierung durch internationale Geldgeber, die nur noch ein Drittel der Summe vom Vorjahr beträgt. In der Folge haben viele Organisationen die Wasserversorgung von Vertriebenencamps mit Tankwagen eingestellt. „Wir und andere können diese Lücken nicht füllen und die Menschen hier können nicht überleben, wenn sie nicht mal das Elementarste haben“, sagt Projektkoordinator Benjamin Mutiso.

Nach zehn Jahren Krieg ist die Wasser- und Sanitärinfrastruktur in Syrien in vielen Regionen in einem prekären Zustand. Drei Millionen Menschen leiden unter den katastrophalen Folgen, vor allem Vertriebene. Auch der Kampf gegen Covid-19 wird stark erschwert, wenn es nicht einmal sauberes Wasser zum Händewaschen gibt. In ihrer Not sammeln die Menschen unter anderem Regenwasser unter den Abflüssen von Dächern und Zelten. „Aber dieses Wasser ist schmutzig und enthält viel Kalk und Sand“, berichtet Hussain Muhammad, Familienvater in einem Camp in Idlib. „Mein kleiner Sohn ist davon nierenkrank geworden. Man hat uns gesagt, wir sollen Wasser in Flaschen kaufen, aber das können wir nicht bezahlen.“ 

MSF betreibt mittlerweile in 90 Camps Wasser- und Sanitäranlagen für insgesamt 30 000 Menschen. Die Teams verteilen Hygiene-Kits und informieren die Bevölkerung, wie sie die Übertragung von Krankheiten verhindern kann. Im Krankenhaus von Idlib hat Ärzte ohne Grenzen eine Station eingerichtet, um Patientinnen und Patienten mit Flüssigkeitsmangel zu behandeln.  

„Aber das sind keine dauerhafte Lösungen“, sagt Mutiso. „Viele andere Menschen in der Region haben immer noch keinen Zugang zu Wasser, und wir können den Bedarf nicht allein decken.“ MSF fordert die internationalen Geldgeber auf, ausreichende Mittel für die Wasserversorgung bereit zu stellen. Diese ist entscheidend für das Überleben der Bevölkerung. 

Interviews (auf Englisch) sind möglich. 

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Lukas Nef Communications Officer, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
Lukas Nef Communications Officer, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)
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1999 erhielt MSF den Friedensnobelpreis.

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