Ukraine: Befristete Waffenruhe ermöglicht Ärzte ohne Grenzen die Lieferung von Medikamenten in frontnahe Dörfer in der Region Kherson
Nach einer Vereinbarung der Konfliktparteien über eine befristete Waffenruhe in Teilen der Region Kherson vom 27. Oktober bis 1. November 2026 konnten die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen lebensnotwendige Medikamente in drei Dörfer bringen, die von der ukrainischen Regierung kontrolliert werden. Musykiwka, Petriwka und Bohdaniwka können damit für drei Monate versorgt werden.
In diesen Dörfern, die bis zu 13 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegen, leben rund 4000 Menschen. Der Zugang zu Medikamenten, Nahrungsmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern bleibt aufgrund der unsicheren Lage und der ständigen Bedrohung durch Drohnenangriffe äusserst schwierig. Ärzte ohne Grenzen hatte die Besuche in diesen Ortschaften wegen der Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Die Teams der Hilfsorganisation standen jedoch weiterhin in Kontakt mit dem lokalen Gesundheitspersonal und leisteten medizinische Beratung und Unterstützung aus der Ferne.
«Wir haben drei Kategorien essenzieller Medikamente mitgebracht: Schmerzmittel, Antibiotika und Medikamente für chronische Erkrankungen. Dazu gehören Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes und koronare Herzkrankheit» , sagt Vladyslav Butskyi, der die medizinischen Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen koordiniert.
Kateryna Zoshchuk arbeitet als Laborassistentin in der Ambulanz des Gesundheitsministeriums in Musykiwka. Bis vor Kurzem gab es im Dorf nur Beratung aus der Ferne. «Für eine Untersuchung müssen die Menschen in die Stadt Cherson fahren, und das ist sehr gefährlich. Manches können wir hier natürlich machen, aber für eine Ultraschalluntersuchung zum Beispiel müssen die Menschen Wege auf sich nehmen» , erklärt sie.
Die anhaltende Isolation aufgrund der Sicherheitslage belaste die Bewohner:innen auch psychisch, sagt Iryna Morozova, Krankenpflegerin in der lokalen medizinischen Anlaufstelle des Gesundheitsministeriums in Petriwka.
Mobile Teams von Ärzte ohne Grenzen sind weiterhin entlang der Frontlinie tätig, auch im Süden der Ukraine, in den Regionen Kherson und Mykolajiw. Die Hilfsorganisation versorgt die Menschen mit wichtigen Medikamenten, führt medizinische Untersuchungen durch und unterstützt Spitäler in Frontnähe. Für die Gebiete, die die Teams von Ärzte ohne Grenzen aus Sicherheitsgründen nicht erreichen können, gibt es telemedizinische Beratung.
Jeremias Schnyder