UN-Weltsicherheitsrat: Ärzte ohne Grenzen fordert sofortigen Waffenstillstand in Gaza

New York/Berlin, 22. Februar 2024. In der heutigen Sitzung des Weltsicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) hat der Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen, Christopher Lockyear, einen sofortigen und anhaltenden Waffenstillstand in Gaza gefordert. In seinem Statement in New York mahnte Lockyear zudem, dass medizinische Einrichtungen, deren Personal und Patient:innen unbedingt geschützt werden müssen.

«Dieses Gremium hat es nicht geschafft, sich des Konfliktes effektiv anzunehmen, obwohl sich Sitzung an Sitzung und Resolution an Resolution reiht», sagte Lockyear. «Wir beobachten, wie sich die Mitglieder dieses Rates beraten und zaudern, während Zivilist:innen sterben.»

Nach mehr als vier Monaten Krieg sind im Gazastreifen fast 30'000 Palästinenser:innen getötet worden. Schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen und damit fast 75 Prozent der Bevölkerung mussten ihr Zuhause verlassen. Viele von ihnen leben in katastrophalen Bedingungen und leiden unter Krankheiten und infizierten Wunden. Eine medizinische Versorgung ist im Gazastreifen praktisch unmöglich geworden, da medizinische Einrichtungen nicht vor militärischen Angriffen sicher sind.

«Unsere Patient:innen leiden unter schwersten Verletzungen wie zerquetschten Gliedmassen und schweren Verbrennungen. Immer wieder müssen Amputationen durchgeführt werden», sagte Lockyear. «Sie brauchen eine aufwändige Pflege und eine lange und intensive Rehabilitation. Medizinisches Personal kann diese Verletzungen nicht draussen oder in den Trümmern zerstörter Spitäler behandeln. Unseren Chirurg:innen gehen selbst simple Mullbinden aus, mit denen sie schwere Blutungen der Patient:innen stoppen könnten. Sie verwenden sie, drücken das Blut heraus, waschen und sterilisieren sie und verwenden sie erneut. »

Am 20. Februar, dem Tag, an dem die USA ihr Veto gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats für einen Waffenstillstand einlegten, wurden die Frau und die Schwiegertochter eines Mitarbeiters von Ärzte ohne Grenzen getötet und sechs weitere Menschen verletzt, als ein israelischer Panzer eine deutlich gekennzeichnete Unterkunft von Ärzte ohne Grenzen in Al-Mawasi in Chan Junis beschoss.

Vergangene Woche haben die israelischen Streitkräfte das Nasser-Spital, die grösste medizinische Einrichtung im südlichen Gazastreifen gestürmt. Diejenigen, die vertrieben wurden, können nirgendwo hin, nicht in den weitgehend zerstörten nördlichen Teil zurück und auch in Rafah sind sie nicht sicher. Dort haben die israelischen Streitkräfte Luftangriffe durchgeführt und Pläne für eine umfassende Bodenoffensive angekündigt.

Seit Beginn des Konflikts in Gaza waren die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen und Patient:innen gezwungen, neun verschiedene Gesundheitseinrichtungen im Gazastreifen zu evakuieren. Insgesamt wurden fünf Mitarbeitende der Organisation getötet. Die medizinische Versorgung und die Ausweitung der lebensrettenden Hilfe ist aufgrund der Intensität der Bombardierungen und des Beschusses sowie der heftigen Kämpfe nahezu unmöglich. «Die Folgen der Missachtung des humanitären Völkerrechts werden weit über Gaza hinaus zu spüren sein», sagte Lockyear. «Sie werden unser kollektives Gewissen auf Dauer belasten.»

Lukas Nef Medienverantwortlicher, Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF)

 

Yvonne Eckert Medienverantwortliche, Médecins Sans Frontières (MSF)

 

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