Zentralafrikanische Republik: Nach Angriff auf Spital stellt MSF die Tätigkeit vorübergehend ein

Mittwoch, 22. November 2017 — Nach einem bewaffneten Überfall in Bangassou im Südosten der Zentralafrikanischen Republik haben alle Mitarbeiter von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) die Stadt verlassen. Der Überfall ereignete sich in der Nacht auf den Dienstag. Er war lebensbedrohlich für die 58 Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation. Die Region um Bangassou befindet sich weitgehend unter Kontrolle verschiedener bewaffneter Splittergruppen, die mit den so genannten «Anti-Balaka»-Milizen in Verbindung stehen. Etwa eine halbe Million Menschen sind nun fast ohne medizinische Hilfe.

«Wir hatten den festen Willen und die Ressourcen, um in dieser unruhigen Region medizinische Hilfe zu leisten. Aber wir können nicht das Leben unserer Mitarbeiter aufs Spiel setzen, wenn sie und die medizinischen Einrichtungen bedroht werden», sagt Frédéric Lai Manantsoa, Landeskoordinator in der Zentralafrikanischen Republik.

Bislang wurde in der Region jedes Kind mit einer schweren Form von Malaria, jeder Verletzte oder Kranke, der operiert werden musste, in das von MSF unterstützte Spital in Bangassou gebracht. Die allermeisten Gesundheitszentren, die nicht von der Organisation unterstützt wurden, sind nach wiederholten Angriffen von den Mitarbeitern aufgegeben worden, oder es fehlen ihnen grundlegende Medikamente und Materialien. Höchstwahrscheinlich wird nun auch die Klinik in Bangassou die medizinische Versorgung einstellen müssen.

«Heute können die 30 Kinder unter fünf Jahren, die auf der Intensivstation des Spitals in Bangassou liegen, nicht mehr von Ärzten oder Pflegefachleuten betreut werden. Die 26 Patienten, die dringend chirurgische Eingriffe benötigen, werden unbehandelt in ihren Betten liegen bleiben. Die einzigen externen Beobachter, die noch vor Ort sind, sind die UN-Truppen und einige Missionare. Die Menschen verlassen bereits die Stadt, auch Patienten, die sich in kritischem Zustand befinden», beschreibt Lai Manantsoa.

«In einer so grossen Notlage wie dieser sollte eine internationale humanitäre Organisation wie MSF versuchen, so lange wie möglich in der Region zu bleiben. Die Bevölkerung hier im Stich zu lassen, ist ein schmerzhaftes Eingeständnis, dass wir aufgrund der Angriffe auf unsere Mitarbeiter nicht in der Lage sind, lebensnotwendige Hilfe in einer der derzeit grössten humanitären Krisen zu leisten», so Lai Manantsoa.

MSF ist seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Die Teams der Organisation werden weiterhin medizinische Hilfe in zehn Regionen landesweit leisten, in Bria, Bambari, Alindao, Batangafo, Kabo, Bossangoa, Boguila, Paoua, Carnot und Bangui. 2016 hat MSF im Land rund eine Million medizinische Behandlungen durchgeführt, etwa 500‘000 Kinder gegen verschiedener Krankheiten geimpft, 9‘000 Operationen durchgeführt sowie 21‘000 Geburten begleitet. Der bewaffnete Konflikt hat sich jedoch seit Anfang 2017 verschärft. Die Organisation hat darauf reagiert und vier der 16 medizinischen Projekte von allgemeiner Gesundheitsversorgung auf medizinische Nothilfe für jene Menschen umgestellt, die von dem Konflikt betroffen sind. In den vergangenen 14 Monaten hat es 37 Drohungen und Angriffe gegen Mitarbeiter von MSF und gegen durch die Organisation unterstützte Gesundheitseinrichtungen gegeben.